Beim Backenstück deiner Trense ist die wichtigste Regel für mich: Die Schnallen gehören nicht direkt unter den Stirnriemen oder ans Ohr, sondern ungefähr auf Höhe des Auges auf die flache Backenfläche deines Pferdes.
Wenn die Backenstücke zu lang sind, rutschen die Schnallen zu weit nach oben und können am Kiefergelenk, an der Ohrspeicheldrüse oder unter dem Ohr drücken.
Gerade bei langen Ritten, beim Wanderreiten oder wenn dein Pferd den Trensenzaum viele Stunden trägt, kann daraus ein echtes Problem für dein Pferd werden.
Warum zu lange Backenstücke so oft übersehen werden
Ich sehe es wirklich häufig: Die Trense sieht auf den ersten Blick passend aus, das Gebiss liegt ruhig, der Stirnriemen sitzt und ist nicht zu kurz, der Nasenriemen wirkt nicht dramatisch eng. Und trotzdem liegt die Schnalle vom Backenstück viel zu weit oben – also direkt am Ohr unterhalb des Stirnriemens.
Das Tückische daran ist: Es fällt nicht sofort auf, wie beispielsweise ein viel zu enger Nasen- oder Sperrriemen. Ich vermute, dass das den meisten Menschen deshalb nicht auffällt, da man das fast bei jedem 2. Pferd sieht und schon völlig „normal“ und „richtig“ ist.

Aber das ist es nicht! Die Schnalle des Backenstücks gehört eben nicht direkt unter den Stirnriemen! Denn so liegt die Schnalle direkt auf dem Kiefergelenk. Und genau das kann für dein Pferd unangenehm werden!
Ideal ist für mich, wenn die Schnalle seitlich auf der Wange liegt, ungefähr neben dem Auge. Denn dort befinden sich keine empfindliche Stellen, wie das Kiefergelenk oder die Ohrspeicheldrüse.
Wenn du dein Zaumzeug prüfst, achte deshalb mal genau darauf, wie deine Backenstücke liegen:
- Liegt die Schnalle vom Backenstück auf der seitlichen Backenfläche?
- Hat sie Abstand zum Ohransatz?
- Drückt sie nicht Richtung Kiefergelenk?
- Bleibt sie auch in Bewegung dort, wo sie liegen soll?
Manchmal ist genau dieses kleine Detail der Unterschied zwischen „passt irgendwie“ und wirklich gutem Tragekomfort.
Was am Pferdekopf empfindlich ist
Der Pferdekopf ist kein gleichmäßiger, unempfindlicher Block. Unter dem Leder liegen Knochen, Muskeln, Nerven, die Ohrspeicheldrüsen und Gelenke. Besonders der Bereich rund um Ohr, Genick und Kiefergelenk ist feiner und sensibler, als man manchmal denkt.
In einem Beitrag über passende Trensen wird gut beschrieben, dass schlecht sitzendes Zaumzeug das Wohlbefinden und die Leistung deines Pferdes beeinflussen kann.
Auch der Druck im Genickbereich wird oft unterschätzt. Gerade wenn mehrere Riemen zusammentreffen, kann sich die Spannung ungünstig verteilen, wie im Artikel zu Druck im Genick erklärt wird. Sitzt dann zusätzlich die Backenstück-Schnalle hoch unter dem Stirnriemen, wird es im Bereich Genick & Kiefergelenk schnell eng und spannig.
Zum Kiefergelenk selbst gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass eine Entzündung am Kiefergelenk die Reaktion auf Zügelhilfen und Bewegungsabläufe verändern kann. Und auch wenn ein zu langes Backenstück nicht automatisch eine Entzündung verursacht, ist für mich klar: Ich möchte dort einfach keinen unnötigen Druck hinbringen.
Woran du erkennst, dass das Backenstück nicht optimal sitzt
Ein zu langes Backenstück erkennst du meistens daran, dass die Schnalle sehr weit oben sitzt. Manchmal verschwindet sie fast unter dem Stirnriemen. Manchmal liegt sie direkt unter dem Ohr. Und manchmal drückt sie seitlich in den Bereich, wo das Kiefergelenk deines Pferdes ist, was zu Probleme beim Abkauen und Bewegen des Unterkiefers führen kann.
Schau dazu auch nochmals das Bild oben im Blogartikel an!
Wenn du dein Pferd mit Trense anschaust, stell dir die seitliche Wange wie eine kleine Ablagefläche vor. Genau dort darf die Schnalle liegen. Nicht am knochigen Rand, nicht in einer Hautfalte, nicht oben im Gewusel aus Genickstück, Stirnriemen und Ohr.
Achte besonders auf diese Zeichen:
- Unter der Backenstück-Schnalle entstehen Scheuerstellen oder aufgeraute Haare.
- Dein Pferd schüttelt den Kopf häufiger beim Auftrensen.
- Nach längeren Ritten sieht die Haut gereizt aus.
- Es entstehen einzelne weiße Stichelhaare, also eine Druckstelle.
Ich habe schon Bilder von Pferden gesehen, bei denen genau unterhalb der Ohren weiße Stichelhaare entstanden sind. Das sind für mich keine „kleinen Schönheitsfehler“, sondern Hinweise darauf, dass dort über längere Zeit Druck oder Reibung war.
Meine persönliche Meinung
Ich sage es ganz ehrlich: Für mich heißt dieser Riemen Backenstück, weil er auf die Backe gehört. Nicht ans Kiefergelenk oder direkt unter das Ohr. Das klingt simpel, aber genau diese einfache Orientierung hilft oft.
Wenn ich Trensen oder einen Zaum individuell fertige, achte ich sehr darauf, dass die Schnallen auf der flachen seitlichen Wangenfläche liegen. Dort kann das Leder weich anliegen, ohne ständig in empfindliche Bereiche zu rutschen. Gerade bei Wanderreitausrüstung ist das für mich nicht verhandelbar, weil Pferd und Reiter die Trense stundenlang nutzen.
Natürlich gibt es unterschiedliche Trensenzäume, gebisslose Zäumungen und Sonderformen. Manche Konstruktionen mit Kreuzriemen, wie ein gebissloser Zaum, verteilen Druck ganz anders als ein klassischer Trensenzaum. Andere Ideen, etwa ein verstellbarer Zaum, zeigen, wie wichtig Anpassbarkeit überhaupt ist.
Trotzdem bleibt meine Grundregel gleich: Was hart ist, gehört nicht auf empfindliche Stellen.
Eine Metallschnalle am Ohransatz ist für mich wie ein kleiner Stein im Wanderschuh. Vielleicht hältst du es kurz aus. Aber nach einigen Stunden willst du nur noch, dass es aufhört.
Was du konkret tun kannst, bevor du eine neue Trense kaufst
Bevor du sofort ein neues Zubehör kaufst, prüfe erst deine vorhandene Trense. Manchmal reicht es, kürzere Backenstücke zu wählen. Viele Hersteller bieten einzelne Backen- und Genickstücke oder passende Ersatz-Backenstücke an, sodass du nicht gleich den ganzen Trensenzaum ersetzen musst.
Wichtig ist dabei die richtige Wahl der Länge. Das Backenstück sollte so kurz sein, dass die Schnalle neben dem Auge sitzt, aber das Gebiss trotzdem korrekt im Maul liegt. Wenn du zwischen zwei Größen stehst, ist es oft sinnvoller, genauer zu messen, statt einfach „Pony“, „Cob“ oder „Full“ zu glauben. Diese Größen sind eher grobe Schubladen als echte Maßanfertigung.
Wenn du unsicher bist, mach ein Foto von der Seite, während dein Pferd die Trense trägt. Nicht schräg von vorne, nicht von oben, sondern wirklich seitlich.
Schau dir dieses Bild dann einfach mal in Ruhe daheim an – mit Abstand von dem ganzen Trubel im Stall und den 1001 Meinungen von anderen: Wo liegt genau die Schnalle deines Backenstücks?
Warum weniger Druck oft mehr Losgelassenheit bedeutet
Ich bin vorsichtig mit großen Versprechen. Eine besser sitzende Trense löst nicht jedes Rittigkeitsproblem. Aber sie nimmt deinem Pferd einen möglichen Störfaktor weg. Und das ist schon viel.
Eine Forschung zur Reduktion von Trensendruck zeigt, dass weniger ungünstiger Druck die Bewegungsfreiheit und Leistung beeinflussen kann.
Bei der Ohrspeicheldrüse, also der großen Speicheldrüse unterhalb des Ohres, bin ich besonders aufmerksam. Der Bereich um die Ohrspeicheldrüse kann bei Druck, Spannung oder ungünstiger Haltung auffällig werden. Wenn dort zusätzlich Schnallen sitzen, finde ich das schlicht ungünstig.
Für mich ist deshalb klar: Ein gutes Produkt muss nicht nur schön aussehen. Es muss dem Pferd ermöglichen, weich zu kauen, den Kiefer zu bewegen und den Kopf frei zu tragen.
Mein Fazit zum Backenstück an der Trense
Ein Backenstück ist ein kleiner und oft vernachlässigter Teil an deiner Trense: Doch zusammen mit dem Genickstück ist es DAS TEIL an deiner Trense, das das Gebiss im Pferdemaul hält und somit unverzichtbar ist.
Wenn die Schnalle des Backenstücks zu weit oben sitzt (also faktisch das Backenstück für dein Pferd einfach zu lang ist), kann sie genau dort drücken, wo dein Pferd empfindlich ist: nämlich auf das Kiefergelenk und die Ohrspeicheldrüse. Besonders bei langen Ritten, beim Wanderreiten oder bei täglicher Nutzung solltest du das nicht als Kleinigkeit abtun!
Schau dir deine Trense heute einmal bewusst an. Liegt die Schnalle vom Backenstück wirklich auf der Backe? Oder sitzt sie dort, wo sie eigentlich nichts verloren hat?
Wenn du diese Frage ehrlich beantwortest, hast du schon viel für den Komfort deines Pferdes getan.
Wenn du selbst aktiv werden möchtest
Wenn dich solche Passform-Themen interessieren und du irgendwann selbst eine maßgefertigte Trense aus Leder für dein Pferd bauen möchtest oder ein anderes, eigenes Projekt umsetzen möchtest, ist meine kostenlose Gratis-Video-Reihe vielleicht ein schöner Einstieg für dich. Dort zeige ich dir, was du wirklich brauchst, welches Leder wichtig ist und wie du ohne unnötige Fehlkäufe ins Lederhandwerk starten kannst.


