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Das Genickstück deiner Trense: Anatomisch klingt toll – aber dein Pferd hat das letzte Wort

Beim Genickstück einer Trense geht es nicht darum, ob anatomisch automatisch besser ist, sondern ob die Form zum Pferdekopf passt und keinen dauerhaften Druck hinter den Ohren, am Genick oder in Richtung Kiefergelenk bringt.

Die wichtigsten Varianten sind gerade Genickstücke, anatomisch geformte Genickstücke, Modelle mit Nackenfreiheit sowie gepolsterte oder ungepolsterte Ausführungen.

Warum das Genickstück so wichtig ist

Das Genickstück liegt an einer Stelle, an der viele Pferde sehr empfindlich reagieren. Hinter den Ohren verlaufen nicht nur Haut, Muskeln und Nerven, sondern auch Bereiche, die in Bewegung ständig arbeiten. Wenn dort ein Riemen drückt, kann das für dein Pferd ungefähr so sein wie ein zu enger Haarreif, der nach einer Stunde nicht mehr nur nervt, sondern richtig unangenehm wird.

Für mich ist deshalb klar: Ein Genickstück soll Gewicht verteilen, nicht punktuell drücken. Genau das wird auch in Beiträgen zur passenden Trense immer wieder betont, weil eine schlechte Druckverteilung das Wohlbefinden und die Leistung deines Pferdes beeinflussen kann, besonders wenn das Pferd über längere Zeit geritten wird und die Trense nicht richtig sitzt.

Deshalb schaue ich beim Genickstück nicht nur auf „schön“ oder „modern“, sondern auf diese Fragen:

  • Liegt es weich und breit genug auf?
  • Hat das Pferd genug Ohrenfreiheit?
  • Wird der Genickriemen durch andere Riemen, beispielsweise dem Stirnriemen, nach vorne gezogen?
  • Entsteht Druck Richtung Atlas oder Kiefergelenk?

Gerade Genickstücke: schlicht und nicht automatisch schlechter

Ein gerades Genickstück ist die klassische Form. Es läuft einfach gerade über das Genick, oft mit einem oder mehreren Riemen, je nachdem, wie Trense, Backenstücke und Reithalfter aufgebaut sind. Viele ältere Trensen haben genau diese Form, und ganz ehrlich: Ich habe grundsätzlich nichts gegen ein gerades Genickstück.

Problematisch wird es eher dann, wenn es schmal, hart oder ungepolstert ist. Dann liegt die Kraft auf einer kleinen Fläche, und das kann gerade bei empfindlichen Pferden unangenehm werden. In Untersuchungen zu Trensen wurde deshalb nicht nur der Nasenriemen, sondern auch der Druck unter dem Genickriemen betrachtet.

Ein gutes gerades Genickstück darf für mich deshalb ruhig schlicht sein, aber es sollte:

  • ausreichend breit sein,
  • eine weiche Polsterung haben,
  • keine scharfen Kanten besitzen,
  • nicht durch den Stirnriemen an die Ohren gezogen werden.

Anatomische Genickstücke: sinnvoll, wenn die Form wirklich passt

Anatomische Genickstücke sind so geformt, dass sie mehr Platz hinter den Ohren lassen oder den Druck breiter verteilen. Oft sind sie geschwungen, ausgeschnitten oder im Bereich hinter den Ohren zurückgenommen. Die Idee dahinter finde ich gut: weniger Druck an empfindlichen Stellen und mehr Bewegungsfreiheit für das Pferd.

Aber. Und das ist ein großes Aber.

Ein anatomisches Genickstück ist nur dann sinnvoll, wenn die Aussparungen wirklich dort sitzen, wo die Ohren deines Pferdes sind. Pferdeköpfe sind nicht genormt. Der eine hat die Ohren weiter zusammen, der andere etwas seitlicher. Wenn die Form nicht passt, kann ein anatomisch geformte Genickstück plötzlich genau dort drücken, wo es eigentlich entlasten sollte.

Auch Fachbeiträge zu anatomischen Trensen beschreiben, dass die Wirkung immer von der tatsächlichen Passform abhängt und nicht nur vom schönen Namen auf dem Etikett einer anatomischen Trense. Das finde ich sehr wichtig, weil „anatomisch“ manchmal klingt wie ein Versprechen. Fast wie: Kauf das, dann ist alles gut.

So einfach ist es leider nicht.

Bei manchen Pferden kann ein anatomisches Genickstück wunderbar sein. Bei anderen liegt ein gerades, weich gepolstertes Genickstück deutlich besser. Auch Berichte über moderne Trensen zeigen, dass weniger Druck nur dann entsteht, wenn die Form zum jeweiligen Pferd passt und die Druckpunkte verringert werden.

Genickstück

Für mich ist deshalb nicht die Frage: anatomisch oder nicht?
Sondern: Passt diese Form zu diesem Pferd?

Genickstücke mit Nackenfreiheit und freiem Atlas

Mittlerweile gibt es auch Genickstücke, die das Genick stärker frei lassen sollen. Manche laufen nicht direkt über den höchsten Punkt, sondern sind so geformt, dass sie mehr Nackenfreiheit geben und den Bereich um den Atlas weniger einschränken. Der Atlas ist der erste Halswirbel direkt hinter dem Schädel. Du kannst ihn dir ein bisschen wie ein wichtiges Scharnier vorstellen, das dem Kopf Beweglichkeit gibt.

Solche Genickstücke können für manche Pferde sehr angenehm sein, vor allem wenn sie im Genick schnell fest werden oder auf Druck hinter den Ohren deutlich reagieren. In der Praxis sieht man dann manchmal, dass das Pferd freier kaut, sich weniger verwirft oder den Hals leichter loslässt. Natürlich ist das kein Zaubertrick, aber es kann ein Baustein sein.

Manche modernen Modelle arbeiten deshalb mit breiteren Auflagen oder besonderen Linien, wie man es etwa bei einem anatomischen Kopfstück sieht.

Gepolstert oder ungepolstert: warum ich immer eine Polsterung bevorzuge

Ich bin da ziemlich klar: Für mich muss ein Genickstück weich gepolstert sein. Nicht total dick, nicht schwammig, aber so, dass der Druck etwas abgefangen und breiter verteilt wird. Gerade Leder (aber auch Biothane!) kann wunderbar stabil sein, aber wenn es ungepolstert ist, fühlt es sich am Pferdekopf schnell kantig an.

Eine gute Polsterung kann den Tragekomfort deutlich verbessern.

Aber auch hier gilt: Zu viel ist nicht besser. Wenn ein Genickstück extrem voluminös gepolstert ist, kann es hinter den Ohren zusätzlich Platz wegnehmen. Dann entsteht wieder Druck, diesmal jedoch nicht im Genick, sondern von hinten an den Ohren.

Ich mag Polsterungen, die:

  • weich nachgeben,
  • nicht auftragen wie ein Kissen,
  • sauber vernäht sind,
  • an den Kanten nicht scheuern.

Ein abnehmbar gepolstertes Genickstück kann praktisch sein, wenn du reinigen oder austauschen möchtest. Trotzdem ist mir eine gut gemachte, feste Polsterung oft lieber, weil sie nicht verrutschen kann.

Meine Erfahrung: anatomisch ist nicht immer optimal

Bei meinem eigenen Pferd hatte ich genau dieses Thema. Ich hatte ein anatomische Genickstück in der Hand und dachte zuerst: Das müsste doch viel angenehmer sein. Die Aussparungen für die Ohren sahen auf dem Tisch wirklich sinnvoll aus.

Am Pferd war es dann anders.

Die Aussparungen saßen nicht dort, wo seine Ohren tatsächlich waren. Dadurch hätte dieses Genickstück mehr gedrückt als ein gerader Genickriemen. Und da merkt man wieder: Ein Kopfstück muss dem jeweiligen Pferd passen, nicht dem Tisch.

Deshalb sage ich heute lieber ehrlich: Ich finde anatomische Genickstücke gut, wenn sie passen. Ich finde gerade Genickstücke gut, wenn sie weich gepolstert sind und nicht drücken. Ich finde Modelle mit Ohrenfreiheit spannend, wenn sie stabil liegen.

Was ich aber nicht mag, ist der Gedanke, dass es eine Lösung für alle Pferde gibt.

Für mich bleibt deshalb die wichtigste Haltung: beobachten, fühlen, anpassen. Nicht den Werbeversprechungen der Marke vertrauen, sondern dem Pferd.

Was du dir beim Auswählen merken kannst

Wenn du verschiedene Genickstücke vergleichst, schau zuerst auf dein Pferd und erst danach auf die Form. Ein gerades Genickstück kann sehr gut sein, ein anatomisches kann wunderbar sein, und ein Modell mit freiem Atlas kann helfen. Aber keines davon ist automatisch optimal.

Achte besonders darauf, ob dein Pferd hinter den Ohren genug Platz hat. Die Ohren sollten nicht von Genickriemen eingeengt werden, und der Stirnriemen darf das Genickstück nicht nach vorne ziehen. Das ist nämlich ein häufiger Fehler: Man denkt, das Genickstück sei schuld, dabei ist der Stirnriemen zu kurz.

Auch der Druck durch Gebiss und Kopfstück hängt zusammen. Erklärungen zum Genickdruck zeigen gut, dass Kräfte am Pferdekopf nicht isoliert wirken. Und Messungen zu Genick- und Nasendruck machen deutlich, warum ich Kopfstücke immer als Ganzes betrachte.

Praktisch heißt das für dich:

  • Anatomisch ist gut, wenn die Form wirklich passt.
  • Gepolstert ist für mich fast immer sinnvoll.
  • Zu dicke Polsterung kann wieder drücken, diese mal aber von hinten an den Ohren, da zwischen Ohren und Genickriemen zu wenig Platz ist (Merke: eventuell ist dann dein Stirnriemen zu kurz).
  • Der Stirnriemen beeinflusst die Lage stark.
  • Der Genickriemen sollte weich, sauber verarbeitet und stabil sein.

Ein Review zu einer modernen Dressurtrense zeigt ebenfalls, wie sehr kleine Unterschiede in Form und Auflage den Tragekomfort verändern können. Genau diese kleinen Unterschiede machen im Alltag oft den größten Unterschied.

Fazit: Das beste Genickstück ist das, das dein Pferd wirklich entlastet

Für mich gibt es nicht das eine beste Genickstück. Es gibt nur das Genickstück, das zu deinem Pferd, deiner Trense und eurer Nutzung passt. Manche Pferde laufen mit einem geraden, weich gepolsterten Genickriemen wunderbar. Andere profitieren von anatomische Genickstücke, mehr Ohrenfreiheit oder einer Form, die den Atlas freier lässt.

Ich finde es schön, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir nicht jedem Trend hinterherlaufen, sondern wieder genauer hinschauen. Auch kritische Einordnungen zu anatomischen Trensen zeigen, dass nicht jedes Versprechen automatisch für jedes Pferd gilt.

Wenn du selbst Leder verarbeitest oder irgendwann deine eigene Trense bauen möchtest, ist genau dieses Wissen Gold wert. Du verstehst dann nicht nur, wie ein Riemen geschnitten wird, sondern warum er so geformt sein sollte. Und das macht aus einem schönen Lederprojekt ein wirklich durchdachtes Kopfstück.

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