Trense richtig einstellen: Passt sie wirklich – oder hält sie nur irgendwie?

Eine Trense richtig einzustellen bedeutet nicht, einfach alle Riemen so zu verschnallen, dass sie irgendwie halten. Genickstück, Stirnriemen, Backenstücke, Nasenriemen, Kehl- oder Ganaschenriemen und Gebiss müssen einzeln passen und zusammen funktionieren. Schon ein zu kurzer Stirnriemen kann zum Beispiel das Genickstück Richtung Ohren ziehen – und zu lange Backenstücke lassen das Gebiss zu tief hängen oder bringen die Schnallen an eine ungünstige Stelle.

Für mich gibt es bei diesem Thema deshalb keine große Diskussion: Eine Trense muss passen – ähnlich wie ein Sattel. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass bei einer Trense schneller gesagt wird: „Ach, das geht schon irgendwie.“

Aber genau dieses „irgendwie“ sollte man sich mal genauer anschauen.

Passend oder nur passend gemacht?

Ich glaube, viele Pferdebesitzerinnen kennen diesen Moment: Man kauft eine Trense in Cob oder Full/WB, verschnallt sie irgendwie passend und denkt erst einmal: Passt schon!

Aber genau da lohnt sich der zweite Blick.

Ein Pferdekopf ist nicht genormt. Manche Pferde haben einen kurzen Kopf, aber eine breite Stirn. Andere brauchen längere Backenstücke, aber einen kürzeren Nasenriemen. Und dann steht man da mit einer Standardgröße, die so ähnlich passt wie eine Jeans, die an der Hüfte gut sitzt, aber an den Beinen zu kurz oder zu eng ist.

Eine gut passende Trense liegt stabil, ohne zu drücken, und erfüllt ihre Funktion, ohne dein Pferd unnötig einzuschränken. Das klingt schlicht, ist aber im Alltag oft der entscheidende Unterschied.

Gerade beim Wanderreiten merke ich das sehr deutlich. Wenn ich mehrere Stunden unterwegs bin, möchte ich nicht irgendwann feststellen, dass ein Riemen scheuert, das Genickstück verrutscht oder mein Pferd unzufrieden kaut, weil das Gebiss nicht sauber liegt.

Auch Fachartikel zur Passform der Trense weisen darauf hin, dass eine Trense nicht nur Ausrüstung ist, sondern Einfluss auf Wohlbefinden und Bewegungsfreude haben kann.

Für mich bedeutet das: Nicht das Pferd muss irgendwie in die Trense passen. Die Trense sollte zum Pferd passen.

Genickstück und Stirnriemen

Das Genickstück ist für mich die Grundlage der ganzen Trense. Es liegt hinter den Ohren und trägt zusammen mit den Backenstücken das Gebiss. Wenn das nicht richtig sitzt, kann der Rest nicht gut passen.

Ein passendes Genickstück liegt so, dass es nicht an den Ohren drückt und nicht nach vorne oder hinten wandert. Es soll stabil sein, aber nicht wie ein zu enger Haarreif am Kopf kleben.

Ein unpassendes Genickstück erkennst du oft an diesen Dingen:

  • Es rutscht nach vorne Richtung Ohren oder nach hinten Richtung Pferdehals.
  • Es sitzt sehr eng und nah an den Pferdeohren.
  • Es ist schlecht bis nicht gepolstert und wirkt hart.
  • Es ist sehr schmal.

Der Stirnriemen wird dagegen oft unterschätzt. Viele schauen zuerst auf Glitzer, Farbe oder Form. Verstehe ich total. Ich mag schöne Stirnriemen auch sehr. Aber: Der schönste Stirnriemen bringt meinem Pferd nichts, wenn er eigentlich zwei Zentimeter zu kurz ist.

Ein zu kurzer Stirnriemen zieht das Genickstück nach vorne. Dadurch kann Druck hinter den Ohren entstehen. Ein zu langer Stirnriemen stabilisiert zu wenig und kann auf der Stirn hin und her rutschen.

Das Zusammenspiel ist also einfach: Das Genickstück trägt das Gewicht der Trense, der Stirnriemen hält die Trense in Position. Beide müssen zusammenpassen, sonst zieht ein Teil am anderen.

Backenstücke und Gebiss

Die Backenstücke verbinden das Genickstück mit dem Gebiss. Sie entscheiden damit ganz direkt, wie hoch das Gebiss im Maul liegt. Und genau deshalb schaue ich sie mir bei jeder Trense sehr genau an.

Sind die Backenstücke zu lang, dann …

… liegt das Gebiss zu tief. Dann kann das Gebiss unruhig im Pferdemaul liegen oder gegen die Zähne schlagen. Ein zu tief verschnalltes Gebiss wird aber meistens erkannt. Deshalb ist das 2 „Fehlerbild“ viel häufiger und den meisten gar nicht bewusst.

… liegen die Schnallen der Backenstücke zu weit oben, also direkt auf dem Kiefergelenk. Das kann wiederum zu Problemen beim Abkauen und Druckstellen führen. Dieses Problem sehe ich tatsächlich extrem häufig.

Sind die Backenstücke zu kurz, wird das Gebiss zu hoch gezogen und es entsteht zu viel Zug an den Maulwinkeln. Auch das Problem erkennen sehr viele Menschen und beheben es.

Ideal ist für mich, wenn die Backenstücke bei passender Gebisshöhe nicht im letzten Loch verschnallt sind. Die oberen Schnallen der Backenstücke sollen seitlich auf den Backen des Pferdes liegen und nicht direkt unter dem Stirnriemen.

Wie hoch muss man ein Gebiss einschnallen?

Als grobe Orientierung wird oft gesagt: Das Gebiss darf eine bis zwei kleine Falten in den Maulwinkeln bilden. Ich sehe das aber nicht als starre Regel, sondern als Startpunkt.

Wichtiger ist, wie dein Pferd damit wirkt:

  • Kaut es locker?
  • Ist das Maul weich oder wirkt es irgendwie angespannt?
  • Liegt das Gebiss ruhig?
  • Entstehen keine starken Falten an den Maulwinkeln?

Auch die Breite ist wichtig. Ein zu schmales Gebiss kann klemmen, ein zu breites kann im Maul zu viel wandern. Gebisse passen also nicht unabhängig von der Trense. Sondern es ist immer ein Zusammenspiel.

Nasenriemen, Reithalfter und Sperrriemen

Beim Nasenriemen schaue ich immer auf zwei Dinge: Höhe und Weite. Beides ist wichtig, weil der Nasenrücken, das Jochbein und die darunterliegenden Strukturen empfindlich reagieren können.

Ein klassischer Nasenriemen am Reithalfter soll etwa zwei Finger unterhalb des Jochbeins liegen. Sitzt er zu hoch, kann er am Jochbein scheuern und empfindliche Nerven reizen. Sitzt er zu tief, kann er auf Bereiche kommen, die fürs Pferd unangenehm sind und die Atmung stören können.

Bei der Weite gilt für mich: Der Nasenriemen darf nicht als „Fixierung“ fürs Maul benutzt werden. Dein Pferd muss kauen können, den Kiefer bewegen und auf die Reiter-Hand reagieren dürfen. Wenn der Nasenriemen so eng ist, dass kein Raum mehr bleibt, ist das kein feines Verschnallen mehr.

Viele nutzen als Richtwert zwei Finger Platz zwischen Nasenriemen und Pferdekopf. Wichtig ist dabei, dass du wirklich am Nasenrücken prüfst und nicht irgendwo seitlich an einer Stelle, wo mehr Platz ist.

Wenn ein Sperrriemen verwendet wird, gehört er ebenfalls kritisch angeschaut. Er darf nicht dazu dienen, Unwohlsein einfach zu verdecken. Wenn dein Pferd ständig das Maul aufsperrt, ist die spannendere Frage: Warum tut es das? Ich persönlich bin hier ganz klar der Meinung: Ich benutze und fertige keine Trensen mit Sperrriemen.

Berichte über Druckmessungen zeigen, dass schlecht sitzende Trensen Wohlbefinden und Leistung beeinflussen können. Für mich ist das keine Panikmache, sondern ein guter Grund, genauer hinzuschauen.

Kehlriemen oder Ganaschenriemen: ähnlich, aber nicht dasselbe

Der Kehlriemen wird bei vielen klassischen Trensen unterhalb der Kehle verschnallt. Seine Aufgabe ist es, die Trense daran zu hindern, zu leicht vom Kopf zu rutschen.

Ist der Kehlriemen zu locker, erfüllt er diese Aufgabe kaum. Dann kann die Trense mehr Bewegung bekommen, als gut ist.

Als grobe Orientierung wird oft eine Faust oder etwa vier Finger seitlich zwischen Pferdekopf und Riemen genannt. Ich finde diese Regel hilfreich, solange man nicht blind daran klebt. Ein zierliches Shetty ist eben kein kräftiger Kaltblüter.

Ich persönlich arbeite gerne mit einem Ganaschenriemen, den der gibt noch etwas mehr Halt und hält die Trense ruhiger als ein klassischer Kehlriemen.

Der Vergleich ist wichtig: Zu locker bedeutet wenig Stabilität. Zu eng bedeutet Einschränkung. Dazwischen liegt der Bereich, in dem die Trense richtig sitzt und dein Pferd seinen Kopf normal bewegen kann.

Trense richtig verschnallen: Warum ist das so wichtig?

Die Trense richtig zu verschnallen ist so wichtig, weil jedes Teil ein anderes Teil beeinflusst. Man zieht nicht einfach einen Riemen enger und der Rest bleibt unverändert.

Ein zu kleiner Stirnriemen zieht am Genickstück. Zu kurze Backenstücke ziehen das Gebiss hoch. Ein zu enger Nasenriemen verändert, wie frei dein Pferd im Maul reagieren kann. Ein schlecht liegender Kehlriemen kann stören, obwohl er auf den ersten Blick nur ein kleiner Nebenriemen ist.

Trense richtig einstellen - Domino

Wenn du eine Trense für mein Pferd aussuchen würdest, würdest du vermutlich auch nicht sagen: Hauptsache, sie geht irgendwie zu. Und genau so sehe ich es bei meinen eigenen Pferden und bei den Kopfstücken, die ich fertige.

Für deinen eigenen Passform-Check kannst du dir deine Trense einmal ganz bewusst ansehen:

  • Liegt das Genickstück frei hinter den Ohren?
  • Hat der Stirnriemen genug Länge?
  • Sind die Backenstücke nicht im allerletzten Loch verschnallt?
  • Liegt das Gebiss ruhig im Pferdemaul?
  • Sitzt der Nasenriemen korrekt und mit ausreichend Platz auf dem Nasenrücken?
  • Hat dein Pferd genug Platz zum Kauen?

Wenn du dabei merkst, dass an einer Stelle immer nur „gerade so“ etwas passt, ist das ein Hinweis. Nicht jedes Problem braucht sofort eine neue Trense. Manchmal reicht ein anderes Einzelteil. Aber manchmal zeigt sich eben auch: Die richtige Trense ist nicht Cob oder Full, sondern passend zusammengestellt.

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