Druck am Nasenriemen entsteht vor allem durch nicht optimale Passform, Lage, Konstruktion und Verschnallung der Trense. Die Studie von MacKechnie-Guire und Kolleginnen im Equine Veterinary Journal zeigt: Je enger der Nasenriemen verschnallt ist, desto höher werden die gemessenen Drücke am Pferdekopf, besonders ab einem Spielraum von nur einem Finger oder weniger.
Wichtig ist aber auch: Die Studie zeigt nicht „dieser Nasenriemen ist immer gut, jener immer schlecht“, sondern macht deutlich, dass man genauer hinschauen muss, da es vom jeweiligen Pferd abhängt.
Was die Studie wirklich zeigt
In der Studie Noseband type and tightness level affect pressure on the horse’s face at trot wurden acht hoch ausgebildete Dressurpferde im Trab geritten. Untersucht wurden verschiedene Reithalfter, darunter das englische Reithalfter, das schwedische Reithalfter, das Hannoveranische Reithalfter (in der Studie Drop Noseband genannt) und das kombinierte Reithalfter mit Sperrriemen.

Gemessen wurde der Druck unter dem Nasenriemen mit kleinen Druckmatten, einmal am Nasenbein und einmal unten an den Kieferästen. Die Forschenden stellten die Nasenriemen auf verschiedene Weiten ein: zwei Finger, 1,5 Finger, 1 Finger, 0,5 Finger und 0 Finger.
Die wichtigste Erkenntnis für dich: Bei 2 Finger und 1,5 Finger Spielraum unterschieden sich die Nasendrücke nicht deutlich bei den verschiedenen Reithalfter-Modellen. Ab 1 Finger und besonders bei 0,5 oder 0 Finger stiegen die Werte aber messbar an.
Das bedeutet nicht, dass jedes Pferd sofort Schmerzen zeigt, sobald ein Nasenriemen enger sitzt. Die Studie hat keine Verhaltens- oder Stresswerte gemessen. Aber sie zeigt sehr klar: Enge Verschnallung verändert den Druck beim Pferd messbar.
Warum der Pferdekopf keine glatte Werkbank ist
Ein Pferdekopf ist nicht eben. Er hat Knochenvorsprünge, weiche Bereiche, Muskeln, Haut, Nerven und ganz individuelle Formen. Genau deshalb liegen identische Nasenriemen nie bei jedem Pferd gleich.
Besonders spannend finde ich, dass die Studie höhere Drücke unten am Unterkiefer gemessen hat als direkt oben am Nasenrücken. Das vergisst man schnell, weil man beim Prüfen oft nur schaut, ob vorne am Nasenriemen noch Platz ist.
Für deinen Alltag heißt das:
- Der Nasenriemen liegt nicht automatisch gut, nur weil er schön gepolstert ist.
- Ein weicher Riemen kann trotzdem drücken, wenn er falsch sitzt.
- Ein verschnallter Nasenriemen sollte nicht nur vorne geprüft werden.
- Auch der Bereich unter dem Kinn und an den Kieferästen verdient Aufmerksamkeit.
Beim Reiten kommt Bewegung dazu. Das Pferd kaut, schluckt, leckt vielleicht kurz, bewegt das Maul und reagiert auf Gebiss, Hand und Zäumung. Wenn das alles durch einen (zu) engen Nasenriemen eingeschränkt wird, kann das dein Pferd in seiner Bewegung blockieren.
Konstruktionen nicht vorschnell verurteilen
Ich finde an solchen Studien besonders wertvoll, dass sie nicht einfach mit dem Finger auf eine einzelne Bauart zeigen. Das passt auch zu einer zweiten Untersuchung von Adrian Harrison, Pressure Measurements from Five Different Nosebands, in der fünf unterschiedliche Nasenriemen bei sieben Pferden untersucht wurden.
Dort zeigte sich ebenfalls: Die Druckverteilung hängt von mehreren Dingen ab. Material, Konstruktion, Lage und Verschnallung spielen zusammen. Sogar ein Modell, das nicht FEI-zugelassen war, schnitt in bestimmten Messungen nicht schlechter ab als andere.
Denn: Ein Nasenriemen ist nie nur ein Streifen Leder. Er ist ein Bauteil, das auf einen lebendigen, fühlenden Pferdekopf trifft.
Deshalb würde ich weder sagen: „Kombinierte Reithalfter sind immer schlecht“, noch: „Englische Reithalfter sind immer harmlos.“
Die entscheidende Frage ist eher: Passt diese Trense zu diesem Pferd, zu dieser Nutzung, mit diesem Gebiss, bei dieser Hand und dieser Verschnallung?
Was du bei deinem Pferd konkret prüfen kannst
Du musst keine Wissenschaftlerin sein, um genauer hinzuschauen. Vieles beginnt mit aufmerksamer Beobachtung deines Pferd.
Achte besonders auf diese Punkte:
- Passen wirklich zwei Finger unter den Nasenriemen?
- Liegt der Nasenriemen nicht zu tief auf dem empfindlicheren Nasenbein?
- Liegt der Nasenriemen aber auch nicht zu hoch, so dass er das Jochbein berührt und hier empfindliche Nerven drücken kann?
- Kann dein Pferd noch kauen, lecken und das Maul locker bewegen?
- Verändert sich die Atmung, wenn der Nasenriemen enger verschnallt ist?
- Gibt es Druckstellen, Scheuerstellen oder ist dein Pferd unruhig beim Auftrensen?
- Wirkt dein Pferd beim Reiten mit einer bestimmten Zäumung spanniger oder weniger zufrieden?
Natürlich bedeutet nicht jedes Kopfschlagen oder jedes offene Maul sofort, dass der Nasenriemen beim Pferd die Ursache ist. Zähne, Sattel, Gebiss, Reiterhand, Stress oder Training können ebenfalls eine Rolle spielen.
Aber wenn du einen Nasenriemen mit null Finger Spielraum findest, ist das ein sehr konkreter Punkt, den du sofort verändern kannst.
Meine persönliche Haltung
Denn am Ende geht es eben nicht darum, einen Nasenriemen einfach irgendwie um einen Pferdekopf zu schnallen. Und auch nicht darum, dass er besonders viel Glitzer und Bling Bling hat.
Es geht darum, dass er zu genau diesem Pferdekopf passen muss.
Genau das ist für mich die Brücke zwischen Wissenschaft und Handwerk. Die Studie liefert Messwerte. beim Fertigen einer Trense frage ich mich: Wie fühlt sich das am Pferd an, wie liegt das Leder, wo verteilt sich der Druck, und wo entsteht vielleicht eine harte Kante?
Selbst das hochwertigste Leder, die schönste Polsterung und die sauberste Verarbeitung können eine falsche oder enge Verschnallung nicht einfach ausgleichen. Gutes Lederhandwerk endet nicht an der Naht. Es endet erst dort, wo das Pferd es trägt.
Fazit: Passform schlägt pauschale Urteile
Die Studien zeigen für mich vor allem eines: Der Druck am Nasenriemen ist kein Bauchgefühl, sondern messbar. Und je enger ein Nasenriemen verschnallt wird, desto höher wird der Druck, den das Pferd erdulden muss.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, nur die Konstruktion zu verurteilen. Entscheidend sind weiches und anschmiegsames Material, korrekte Lage, Anatomie des Pferdekopfs, gute Verarbeitung (also ohne harte Kanten) und eine korrekte Verschnallung zusammen.
Wenn du heute nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Prüfe nicht nur, ob dein Reithalfter schön aussieht. Prüfe, ob es deinem Pferd wirklich Raum lässt.
Wenn du selbst das Lederhandwerk von Grund auf lernen möchtest
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