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Beeinflusst ein enger Nasenriemen die Atmung – was die Studie wirklich zeigt

Ein enger Nasenriemen beeinflusst Atmung und obere Atemwege beim Pferd offenbar stärker, als man von außen sehen kann. Die Studie Do tight nosebands have an effect on the upper airways of horses? von Dominik Scholler, Jana Wittenberg, Yury Zablotski und Anna May, veröffentlicht in Veterinary Medicine and Science, hat gezeigt: Der Rachenraum wurde zwar nicht insgesamt signifikant enger, aber bei eng verschnallten Nasenriemen traten mehr Sekret, mehr Rachenkollaps und höhere Auffälligkeitswerte beim Reiten auf.

Wichtig ist aber: Die Studie beweist nicht, dass jedes Pferd mit engem Nasenriemen sofort schlecht Luft bekommt – sie zeigt aber sehr klar, dass es ein Punkt ist, den wir beim Pferdewohl ernst nehmen sollten.

Was die Studie untersucht hat und warum sie für dich wichtig ist

Die Forschenden wollten wissen, ob enge Nasenriemen die oberen Atemwege von Pferden beeinflussen. Also nicht nur: „Sieht das unbequem aus?“, sondern wirklich: Was passiert innen im Pferd, während es geritten wird?

Untersucht wurden 16 gesunde Warmblutpferde. Jedes Pferd wurde an zwei Tagen geritten: einmal mit locker verschnalltem Nasenriemen nach der Zwei-Finger-Regel und einmal mit einem Nasenriemen, der so eng verschnallt war, dass zwischen Nasenrücken und Riemen kein Platz mehr war.

Währenddessen wurde mit einer sogenannten Übergrund-Endoskopie gearbeitet. Das bedeutet: Eine kleine Kamera wurde in die Nüster eingeführt, damit die Forschenden beim Reiten in den Bereich von Rachen und Kehlkopf schauen konnten. Klingt erstmal technisch, ist aber für die Fragestellung sehr sinnvoll.

Für dich als Pferdebesitzerin ist genau das spannend, weil man von außen oft nur sieht, ob ein Nasenriemen optisch passt. Ob der Nasenriemens innen etwas verändert, sieht man dem Kopfstück aber nicht unbedingt an.

Und das ist für mich auch der Punkt, der hängen bleibt: Eine Trense soll nicht nur schön aussehen. Sie muss dem Pferd auch ermöglichen, das Maul zu bewegen, zu kauen, zu lecken und frei zu atmen. Eine Trense muss also sowohl richtig passen, als auch korrekt verschnallt werden!

Die wichtigsten Ergebnisse verständlich erklärt

Die Studie hat nicht gezeigt, dass der gesamte Durchmesser im Rachen bei jedem Pferd deutlich kleiner wurde. Der gemessene sogenannte Pharynx-Epiglottis-Wert blieb zwischen lockerem und engem Nasenriemen nicht signifikant unterschiedlich.

Das klingt im ersten Moment beruhigend. Aber dann kommen die Werte, bei denen ich persönlich schon sehr aufmerksam werde.

Bei eng verschnallten Nasenriemen beobachteten die Forschenden unter anderem:

  • mehr Sekret im Rachenbereich
  • mehr pharyngealen Kollaps, also ein zeitweises Zusammenfallen oder enger Werden von Strukturen im Rachen
  • mehr Abweichungen bestimmter Falten im Kehlkopfbereich
  • höhere Werte im Ridden Horse Pain Ethogram, also bei beobachtbaren Anzeichen von Unwohlsein oder Stress beim Pferd

Bei der Menge des Sekret stieg der Mittelwert von 1,5 auf 3,13. Das heißt nicht automatisch, dass jedes Pferd schwere Atemprobleme hatte. Aber es zeigt, dass bei engem Nasenriemen deutlich mehr Schleim oder Flüssigkeit im Bereich der Atemwege sichtbar wurde.

Auch der pharyngeale Kollaps stieg an. In Alltagssprache heißt das: Bei engem Nasenriemen wirkten Teile des Rachens häufiger instabiler oder eingeengter.

Das finde ich deshalb so spannend, weil Atmung beim Pferd oft eher ein Nebenthema ist – außer dein Pferd hat Equines Asthma… Beim Reiten braucht das Pferd Luft, Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, Spannung abzubauen. Wenn ein Nasenriemen zu eng ist, kann das mehr beeinflussen als nur das Öffnen vom Maul.

Was das praktisch für die Verschnallung des Nasenriemens bedeutet

Für mich ist die wichtigste praktische Erkenntnis: Der Nasenriemen sollte locker genug sein, damit das Pferd sein Maul nicht wie in einen Schraubstock gepresst bekommt. Der Nasenriemen darf führen und stabilisieren, aber er sollte nicht einengen wie eine zu eng gezogene Krawatte.

In der Studie galt die lockere Einstellung als korrekt, wenn zwei Finger zwischen Nasenrücken und Nasenriemen passten (nicht seitlich, sondern direkt auf dem Nasenrücken!). Die enge Einstellung bedeutete: kein Platz zwischen Nasenrücken und Riemen. Genau dieser Unterschied hat messbare Veränderungen gezeigt.

Wenn du deine Trense anlegst, schau deshalb nicht nur darauf, ob alles „ordentlich“ aussieht. Prüfe bewusst:

  • Passt der Nasenriemen über dem Nasenbein, ohne auf empfindliche Bereiche zu drücken?
  • Kann dein Pferd noch kauen und lecken?
  • Ist die Verschnallung des Nasenriemens wirklich locker genug?
  • Liegt der Riemen glatt, ohne harte Kante und hat ein weiches Polster?
  • Wirkt dein Pferd beim Reiten ruhiger, wenn der Nasenriemen etwas lockerer verschnallt ist?

Natürlich bedeutet ein unruhiges Maul oder sonstige Stressanzeichen nicht immer, dass der Nasenriemen zu eng ist. Auch Gebisse, Zähne, Reiterhand, Stress beim Pferd oder eine unpassende Trense bzw. ein unpassender Sattel können eine Rolle spielen.

Aber genau deshalb lohnt sich dieser einfache Blick. Wenn verschnallte Nasenriemen zu fest sitzen, ist das ein Punkt, den du sofort verändern kannst. Ohne großes Werkzeug. Ohne Drama. Einfach lockerer schnallen!

Meine persönliche Sicht

Als ich selbst angefangen habe, Trensen zu bauen, habe ich mich immer mehr mit der Passform der einzelnen Trensenteile beschäftigt. Erst dachte ich vor allem an Lederqualität, Farben, schöne Beschläge und saubere Nähte. Das Handwerkliche eben.

Aber je mehr Kopfstücke ich gefertigt habe, desto klarer wurde mir: Eine Trense ist kein Schmuckstück, das zufällig am Pferdekopf liegt. Sie berührt Knochen, Nerven, Muskeln, Haut und empfindliche Bereiche. Sie muss passen.

Ganz ehrlich: Mir war am Anfang nicht bewusst, wie stark ein zu enger Nasenriemen ein Pferd beeinflussen kann. Ich habe noch viele weitere hochinteressante Studien zum Thema Nasenriemen und Passform gefunden und werde sie hier in weiteren Blogbeiträgen zusammenfassen. Ich wusste natürlich, dass ein Nasenriemen nicht drücken soll. Aber dass enge Nasenriemen auch die oberen Atemwege beeinflussen können, hat mich noch einmal anders hinschauen lassen.

Für mich bedeutet das heute: Wenn ich ein Kopfstück baue gehört das Wissen über die Anatomie des Pferdekopfes, die korrekte Passform und Verschnallung ebenfalls dazu. Genau deshalb versuche ich das hier so genau zu erklären. Nicht, um jemanden zu belehren. Sondern weil ich selbst weiß, wie schnell man denkt: „Ach, das passt schon.“ und „Schau, bei denen schaut das auch so aus!“

Für mich ist das Ergebnis beim Bau einer maßgefertigten Trense kein (oder nicht nur) hübscher Gegenstand in der Hand – sondern ein Pferd, das sich damit wohlfühlen soll.

Wo du genauer hinschauen kannst

Ein zu eng verschnallter Nasenriemen zeigt sich nicht immer offensichtlich. Manche Pferde wehren sich deutlich, andere leiden stiller. Beides kann leicht übersehen werden. Das eine Pferd ist heute nur mal wieder „störrisch“ und das andere ist ja „eh immer brav“.

Mögliche Anzeichen, bei denen du genauer hinschauen kannst, sind:

  • dein Pferd wirkt beim Reiten angespannt oder fest im Kiefer
  • es kaut kaum oder gar nicht
  • es versucht, das Maul zu öffnen, kann es aber nicht
  • es leckt auffällig erst nach dem Öffnen des Nasenriemens
  • es wirkt hinter der Senkrechten festgehalten
  • es zeigt Stress und Schmerzen über Gesichtsausdruck, Abwehr oder Unruhe
  • der Nasenrücken ist nach dem Reiten empfindlich oder die Haut wirkt gereizt

Natürlich beweist keines dieser Zeichen allein, dass der Nasenriemen zu eng ist. Ein verschnallter Nasenriemen ist nur ein Teil des gesamten Reithalfters, und auch Sattel, Zähne, Gebisse, Training, Tagesform oder gesundheitliche Themen können mit hineinspielen.

Trotzdem ist die Prüfung einfach: Passen zwei Finger zwischen Nasenrücken und Nasenriemen? Sitzt der Nasenriemen auf dem stabileren Bereich und nicht zu tief auf dem empfindlicheren Nasenbein? Kann dein Pferd frei atmen und kleine Bewegungen mit dem Maul machen?

Wenn du unsicher bist, lohnt sich ein fachlicher Blick von außen. Manchmal sieht eine Freundin, eine Trainerin oder eine Fachperson etwas, das einem selbst nicht auffällt. Das ist kein Versagen. Das ist Fürsorge.

Was ich aus der Studie mitnehme

Die Studie zeigt für mich vor allem eines: Ein Nasenriemen ist nicht einfach nur ein Riemen. Seine Verschnallung kann Einfluss darauf haben, wie sich Strukturen im oberen Atembereich beim Pferd verhalten.

Gleichzeitig muss man fair bleiben. Die Studie hatte nur 16 Pferde, und die Forschenden nennen selbst die begrenzte Videoqualität bei viel Sekret sowie die kleine Pferdegruppe als Einschränkung. Sie zeigt also einen wichtigen Hinweis, aber sie beantwortet noch nicht jede Frage.

Trotzdem reicht mir dieser Hinweis, um bewusst hinzuschauen. Wenn ein Nasenriemen passen soll, dann gehört für mich nicht nur ein weiches Polster, eine schicke Optik, die passende Länge des Nasenriemens und auch die korrekte Verschnallung dazu. Also auch die Frage: Gibt der Nasenriemen dem Pferd genug Raum?

Vielleicht ist genau das der kleine Unterschied zwischen „passt irgendwie“ und „passt wirklich“. Und diesen Unterschied spürt am Ende nicht der Mensch, der die Trense anschaut. Sondern das Pferd, das sie trägt.

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