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Leder pflanzlich gegerbt – was wirklich dahinter steckt

Ich habe mir am Anfang gar nicht so sehr die Frage gestellt, welches Leder „besser ist“.
Sondern eher: Warum wird Leder eigentlich unterschiedlich gegerbt? Und was bedeutet das für mich – und vielleicht auch für mein Tier?

Der Auslöser war tatsächlich eine Freundin von mir.
Sie reagiert stark auf Chrom – bei ihr zeigt sich das ganz deutlich durch einen allergischen Hautausschlag.

Ich habe angefangen, mich intensiver damit zu beschäftigen:
Was steckt hinter pflanzlicher Gerbung? Was passiert bei der Chromgerbung? Und welche Auswirkungen kann das auf die eigene Haut – oder auch auf empfindliche Tiere – haben?

Und genau aus diesen Gedanken heraus habe ich mich bewusst dafür entschieden, überwiegend mit pflanzlich gegerbtem Leder zu arbeiten.

Nicht, weil es perfekt ist.
Sondern weil es sich für mich in diesem Zusammenhang stimmig anfühlt.

Was pflanzlich gegerbtes Leder eigentlich ist

Wenn man es ganz runterbricht, passiert beim Gerben etwas ziemlich Faszinierendes:
Eine Tierhaut wird haltbar gemacht – so, dass sie nicht verrottet, sondern zu einem langlebigen Material wird.

Bei der pflanzlichen Gerbung passiert das mit natürlichen Gerbstoffen.
Diese stammen aus Pflanzen – zum Beispiel aus Rinde, Blättern oder Früchten. Oft sind es Tannine, also Gerbstoffe aus Eichen- oder Fichtenrinde.

Und jetzt kommt der spannende Teil:
Diese Gerbstoffe verbinden sich langsam mit der Struktur der Haut. Sie legen sich gewissermaßen in die Fasern – und machen sie stabil.

Das Ganze passiert nicht einfach „auf einmal“, sondern in zwei Schritten:

  • Erst dringen die kleinen Gerbstoff-Partikel gleichmäßig in die Haut ein
  • Dann werden sie dort fixiert und verbinden sich dauerhaft mit dem Material

Und genau das ist auch der Grund, warum pflanzlich gegerbtes Leder so besonders ist:
Es wird nicht einfach „mal eben schnell“ behandelt – es entwickelt sich mit der Zeit weiter.

Wie läuft die pflanzliche Gerbung ab?

Vielleicht stellst du dir jetzt eine Art magischen Prozess vor – und ehrlich gesagt: ein bisschen ist es das auch.

Aber im Kern gibt es drei typische Wege, wie Leder pflanzlich gegerbt wird:

Die klassische Grubengerbung

Das ist die ursprüngliche Methode.
Die Häute liegen dabei in großen Gruben mit Gerbflüssigkeit – oft über Wochen oder sogar Monate.

Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie Tee, der langsam zieht.

Diese Methode kann mehrere Wochen bis zu einem Jahr dauern.

Die Trommelgerbung

Hier geht alles schneller:
Die Häute werden in großen rotierenden Fässern bewegt, damit die Gerbstoffe schneller eindringen.

So kann der Prozess schon in 1–3 Tagen abgeschlossen sein.

Kombination aus beidem

Viele Gerbereien kombinieren beide Methoden.
Das Ergebnis: ein gutes Gleichgewicht aus Qualität und Zeit.

Hier dauert die Gerbung oft nur wenige Tage – bei gleichzeitig stabilen Ergebnissen.

Wie viel Leder wird überhaupt pflanzlich gegerbt?

Das ist ein Punkt, der viele überrascht.

Denn obwohl pflanzlich gegerbtes Leder oft als „ursprünglich“ gilt, macht es heute nur einen kleinen Teil aus.

Mehr als 90 % des weltweit produzierten Leders wird chromgegerbt.

Das bedeutet im Umkehrschluss:
Pflanzlich gegerbtes Leder liegt nur im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Und genau deshalb begegnet es dir oft weniger – obwohl es im Lederhandwerk eine lange Tradition hat.

Häufige Irrtümer rund um pflanzliche Gerbung

Gerade wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, stößt man schnell auf vereinfachte Aussagen.

„Pflanzlich gegerbtes Leder ist automatisch umweltfreundlich“

So einfach ist es leider nicht.

Auch die pflanzliche Gerbung braucht Ressourcen – unter anderem große Mengen an Gerbstoffen und Wasser – und kann das Abwasser belasten.

Das heißt nicht, dass sie schlecht ist.
Aber sie ist auch nicht automatisch die perfekte Lösung.

„Chromgegerbtes Leder ist grundsätzlich schlecht“

Auch das stimmt so nicht.

Chromgerbung ist schneller, effizienter und sorgt oft für weicheres Leder.

Aber:
Es gibt gesundheitliche Aspekte, die man im Blick haben sollte.

Zum Beispiel kann Chrom VI allergische Reaktionen auslösen und ist deshalb streng reguliert

Vorteile und Nachteile im Überblick

Wenn man es ganz ehrlich betrachtet, haben beide Gerbverfahren ihre Stärken und Schwächen.

Vorteile von pflanzlich gegerbtem Leder

  • entwickelt mit der Zeit eine schöne Patina
  • wirkt natürlich und zeitlos
  • lässt sich gut prägen und formen
  • langlebig und reparierbar
  • oft hautverträglicher

Nachteile

  • längerer Gerbprozess
  • empfindlicher gegenüber Wasser und Flecken
  • meist etwas teurer
  • nicht automatisch nachhaltiger

Warum ich persönlich damit arbeite

Ich habe mich nicht aus einem einzigen Grund dafür entschieden.

Es war eher eine Kombination.

Die Erfahrung mit meiner Freundin hat mir gezeigt, dass das Thema Hautverträglichkeit nicht nur Theorie ist.
Und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass ich mich mit pflanzlich gegerbtem Leder wohler fühle.

Ich arbeite bewusster damit.

Wenn du gerade am Anfang stehst

Vielleicht fühlst du dich gerade ein bisschen erschlagen von all den Begriffen.

Das ging mir am Anfang genauso.

Du musst nicht alles sofort wissen.
Du musst nicht jedes Gerbverfahren verstehen.

Du brauchst nur einen Anfang.

Und genau dabei möchte ich dich unterstützen.

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Darin zeige ich dir ganz in Ruhe:

  • was du wirklich können musst, um mit dem Leder-Handwerk zu starten
  • welches Werkzeug du wirklich brauchst (und was nicht)
  • wie du dein erstes Projekt umsetzt – ohne Frust

Ganz ohne Druck.
Einfach zum Reinschnuppern.

Ich freu mich, wenn du dabei bist.

Ganz liebe Grüße
deine Chrisi

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