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Warum die Hautschichten für die Qualität und Haltbarkeit des Leders wichtig sind

Wenn du das erste Mal ein Stück Leder in der Hand hältst, fühlt es vielleicht einfach… glatt an. Oder rau. Oder weich. Oder einfach sehr steif.

Aber eigentlich hältst du etwas in der Hand, das einmal eine gewachsene Struktur war. Keine gleichmäßige „Platte“ – sondern eine Haut mit verschiedenen Schichten, die alle ihre eigene Aufgaben hatten.

Und genau da liegt ein Punkt, den viele am Anfang übersehen:
Nicht jedes Leder kommt aus derselben Hautschicht.

Und genau deshalb fühlt sich Leder so unterschiedlich an.
Und hält unterschiedlich lange.

Wenn du verstehst, wie die Haut aufgebaut ist, verstehst du plötzlich auch, warum ich bestimmte Lederarten nutze – und andere ganz bewusst nicht.

Welche Hautschichten gibt es – und welche werden zu Leder?

Wenn wir von Haut sprechen, aus der Leder hergestellt wird, meinen wir eigentlich mehrere Schichten, die einmal zusammengehört haben.

Die Haut besteht grob aus drei verschiedenen Strukturen:

    • Epidermis (Oberhaut)

    • Dermis (Lederhaut / Corium)

    • Unterhaut

Die Oberhaut ist ganz dünn – sie schützt das Tier, wird aber beim Gerben entfernt.
Die Unterhaut ist eher locker aufgebaut und wird ebenfalls entfernt.

Das, was übrig bleibt und zu Leder wird, ist die mittlere Schicht: die Dermis.

Das Spannende daran:
Diese Schicht macht fast die gesamte Haut aus – nämlich etwa 98 % der Hautdicke.

Und genau diese Schicht besteht aus einem dichten Geflecht aus Fasern – das ist das, was Leder später so stabil macht.

Die Dermis selbst ist nochmal unterteilt in …:

    • eine obere, feinere Schicht
    • eine tiefere, gröbere Schicht aus starken Kollagenfasern

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:

👉 Je nachdem, welche Schicht du nutzt, bekommst du ein komplett anderes Leder.

 

So entsteht Leder aus der Haut

    1. Entfernen der Oberhaut (Epidermis)
      Diese dünne Schicht wird vollständig abgetragen.

    1. Entfernen der Unterhaut
      Das passiert beim sogenannten „Entfleischen“.

    1. Übrig bleibt die Dermis
      Diese wird gegerbt – also haltbar gemacht.

    1. Optional: Spalten der Haut
      Hier wird die Haut horizontal in mehrere Schichten getrennt.

Infografik - Leder, Narbenseite, Spaltleder

Und genau bei diesem letzten Schritt entsteht das, worüber wir gleich sprechen: das Spaltleder.

Narbenseite und Fleischseite: Zwei Seiten – zwei Eigenschaften

Wenn du ein Stück Leder anschaust, hat es immer zwei Seiten:

    • die Narbenseite (Hautseite)

    • die Fleischseite

Die Narbenseite ist die ursprüngliche Außenseite der Haut – also das, was einmal nach außen gezeigt hat.
Sie ist glatt, dichter und widerstandsfähiger.

Die Fleischseite ist die Rückseite – dort, wo das Leder zur Unterhaut hin lag.
Sie ist oft etwas rauer und offener in der Struktur.

Ganz offiziell wird das auch so definiert:
Die Außenseite heißt Narbenseite, die Rückseite entsprechend Fleischseite.

Was bedeutet das für dich in der Praxis?

Die Narbenseite ist stabiler, robuster und langlebiger.
Die Fleischseite ist weicher – aber auch anfälliger.

Und genau deshalb ist die Narbenseite das, was ich persönlich immer nach außen – also dort wo man das glatte Leder sieht – verarbeite.

Was ist Spaltleder – und warum es sich so anders verhält

Jetzt wird es spannend.

Wenn eine Haut dick genug ist, kann sie in mehrere Schichten aufgeteilt werden.
Das nennt man Spalten.

Dabei entstehen:

    • obere Schicht (mit Narbenseite)

    • untere Schicht (ohne Narbenstruktur)

Diese unteren Schichten nennt man Spaltleder.

Ganz einfach gesagt: Spaltleder ist eine Schicht, bei der die natürliche Oberfläche fehlt.

Und das hat Folgen.

Die Fasern sind dort lockerer aufgebaut, weniger dicht – und dadurch auch weniger belastbar.
Studien zeigen, dass die Festigkeit oft bei weniger als der Hälfte von Vollleder bzw. Glattleder liegt.

Das erklärt auch, warum sich Spaltleder oft anders anfühlt: weicher, manchmal „schwammiger“, weniger stabil.

Und oft wird Spaltleder zusätzlich beschichtet oder geprägt, damit es wie hochwertigeres Glattleder aussieht.

Vorherrschende Meinungen – und meine persönliche Erfahrung mit Spaltleder

Wenn du dich ein bisschen umschaust, wirst du merken: Spaltleder ist überall.

Gerade bei günstigeren Produkten.
Oder bei Dingen, die schnell produziert werden müssen.

Und ich verstehe auch, warum:
Es ist günstiger, lässt sich gut verarbeiten und kann optisch angepasst werden.

Aber ich sag dir ganz ehrlich, wie ich damit umgehe: Ich nutze Spaltleder überhaupt nicht.

Nicht, weil es „schlecht“ ist – sondern weil es für das, was ich mache, einfach nicht passt.

Wenn ich ein Kopfstück oder ein Halsband fertige, dann soll das:

    • stabil sein

    • lange halten

    • sich gut anfühlen

    • und vor allem: sicher sein, also es darf nicht so schnell reißen

Und genau da habe ich mit Spaltleder einfach kein gutes Gefühl.

Ich sehe es manchmal bei Gürteln – die sind oft als „Echtleder“ deklariert, bestehen aber aus Spaltleder. Und das ist ja auch nicht falsch, denn Spaltleder ist ja Echtleder.
ABER… viele Spaltledergürtel sind beschichtet, um die typische Oberfläche von Leder nachzubilden. Doch ich habe die Erfahrung gemacht: Das hält einfach nicht lange. Innerhalb kürzester Zeit löst sich diese Beschichtung ab.

Häufige Fragen rund um Leder und die verschiedenen Haut-Schichten

Aus welcher Hautschicht wird Leder gefertigt?

Leder wird aus der sogenannten Dermis hergestellt – das ist die mittlere Schicht der Haut.
Sie macht den größten Teil der Haut aus und enthält die stabilen Faserstrukturen.
Die Oberhaut wird entfernt, weil sie zu dünn ist, und die Unterhaut, weil sie zu weich und unstrukturiert ist.
Nur die Dermis hat die richtige Kombination aus Stabilität und Flexibilität.
Deshalb ist sie die Grundlage für jedes Lederprodukt.
Je nach Verarbeitung bleibt sie entweder in einem Stück oder wird weiter aufgespalten.

Was ist der Unterschied zwischen Narbenseite und Fleischseite?

Die Narbenseite ist die ursprüngliche Außenseite der Haut und damit die robustere Seite.
Sie hat eine dichtere Struktur und ist widerstandsfähiger gegenüber Abrieb.
Die Fleischseite hingegen liegt zur Unterhaut hin und ist offener und weicher.
Oft fühlt sie sich rauer an und ist weniger geschützt.
In der Verarbeitung wird die Narbenseite meist nach außen gelegt, weil sie langlebiger ist.
Die Fleischseite wird eher nach innen verarbeitet oder weiterbearbeitet.
Beide Seiten gehören aber immer zusammen – sie sind nur unterschiedlich aufgebaut.

Was ist Spaltleder?

Spaltleder entsteht, wenn eine Haut in mehrere Schichten aufgeteilt wird.
Dabei wird die obere Schicht mit der Narbenseite von den unteren Schichten getrennt.
Die unteren Schichten nennt man Spaltleder.
Ihnen fehlt die natürliche Oberfläche, die das Leder besonders robust macht.
Deshalb sind sie oft weniger stabil und werden häufig weiterverarbeitet oder beschichtet.
Spaltleder kann für bestimmte Anwendungen sinnvoll sein, ist aber nicht so belastbar wie ungespaltenes Leder.
Gerade bei stark beanspruchten Produkten zeigt sich dieser Unterschied deutlich.

Fazit: Wenn du Leder verstehst, triffst du bessere Entscheidungen

Am Anfang wirkt Leder wie ein Material.
Einfach da. Fertig.

Aber je mehr du dich damit beschäftigst, desto mehr merkst du:
Es ist eigentlich ein ganzes System.

Schichten. Strukturen. Unterschiede.

Und genau dieses Verständnis hilft dir dabei:

    • besseres Leder auszuwählen

    • Fehler zu vermeiden

    • und vor allem: Dinge zu bauen, die wirklich lange halten

Du musst das nicht alles sofort perfekt verstehen.

Aber wenn du anfängst, darauf zu achten,
wirst du merken, wie viel sicherer du plötzlich wirst.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest und dir wünschst, dass dir jemand Schritt für Schritt zeigt, worauf es wirklich ankommt – ohne Chaos, ohne unnötige Werkzeuge:

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Liebe Grüße
Chrisi

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