Eine Trense fürs Pferd ist für mich dann gut, wenn sie zum Pferdekopf passt, dem Pferd Komfort lässt und zu dem passt, was du mit deinem Pferd machen möchtest. Nicht jeden Riemen, den es an einer Trense gibt, muss man auch benutzen.
Ich schaue deshalb bei jeder Trense sehr genau: Liegt sie weich, stört sie nicht am Genick, lässt sie dem Maul genug Freiheit und erfüllt jedes Teil eine sinnvolle Aufgabe?
Die perfekte Trense gibt es für mich nicht von der Stange
Wenn du mich fragst, wie die perfekte Trense aussieht, dann ist meine ehrliche Antwort: Sie sieht bei jedem Pferd ein bisschen anders aus. Das klingt vielleicht unbefriedigend, aber genau darin liegt für mich der wichtigste Punkt.
Ein Pferdekopf ist eben kein genormtes Holzstück. Manche Pferde haben viel Platz zwischen Jochbein-Unterkante und Maulwinkel, andere eher wenig. Manche reagieren empfindlich auf Schnallen, andere stört eher ein harter Nasenriemen oder ein zu schmaler Stirnriemen.
Darum ist meine perfekte Trense kein besonders aufwendiges Zaumzeug mit möglichst vielen Riemen. Sie ist auch nicht automatisch eine anatomische Trense, nur weil das gerade schön klingt.
Für mich zählen drei Fragen:
- Passt die Trense wirklich zum Pferdekopf?
- Bietet sie meinem Pferd möglichst viel Komfort?
- Passt sie zu dem, was ich mit meinem Pferd mache bzw. machen möchte?

Und dann kommt noch meine persönliche Grundregel dazu: Wenn ein Riemen keine klare Aufgabe hat oder meinem Pferd eher Freiheit nimmt als Nutzen bringt, dann darf er für mich fehlen. Was das für mich genau bedeutet, erkläre ich dir weiter unten.
Ganz schlicht eigentlich. Aber oft wird genau das vergessen.
Warum die Passform am Pferdekopf so viel ausmacht
Eine Trense liegt an Stellen, an denen dein Pferd sehr deutlich spürt, was passiert. Am Genick, am Nasenrücken, an den Backen und rund um das Pferdemaul liegen Knochen, Nerven, Muskeln und empfindliche Haut dicht beieinander.
Wenn du dir die Anatomie des Pferdekopfes einmal bildlich anschaust, wird schnell klar, warum kleine Druckstellen nicht einfach „Kleinigkeiten“ sind. Ein Riemen liegt eben nicht auf einem leblosen oder unempfindlichen Stück Etwas, sondern auf lebendigem Pferd, das Bewegung, Druck und Reibung wahrnimmt.
Für dich heißt das ganz praktisch: Schau nicht nur, ob die Trense irgendwie zugeht. Schau, wo sie liegt.
Das Genickstück ist für mich ein wichtiger Anfang
Beim Genickstück schaue ich immer besonders genau hin. Es liegt an einer Stelle, die viele Pferde sehr deutlich wahrnehmen, und es trägt einen wichtigen Teil der Trense und auch das meiste Gewicht.
Für mich darf ein gutes Genickstück nicht schmal und hart sein. Ich mag es weich gepolstert, mit einer vernünftigen Auflagefläche. Als grobe Orientierung finde ich mindestens etwa zwei Zentimeter Breite sinnvoll, weil sich Druck dann besser verteilt als bei einem sehr schmalen Riemen.
Aber: Anatomisch geformt ist nicht automatisch besser.
Ein gerades Genickstück kann wunderbar funktionieren, wenn es zum Pferd passt und genug Platz hinter den Ohren lässt. Entscheide ich mich für einanatomisches Genickstück mit Ohrenaussparungen, dann müssen diese Aussparungen wirklich zur Ohrstellung meines Pferdes passen.
Denn eine falsch liegende Aussparung ist ein bisschen wie ein hübsch ausgeschnittener Schuh, der trotzdem an der Ferse reibt.
Auch bei anatomischen Genickstücken wird deshalb empfohlen, nicht nur auf die Form zu schauen, sondern auf den einzelnen Pferdekopf. Genau das ist für mich der Kern: Nicht das Etikett entscheidet, sondern dein Pferd.
Backenstücke, Schnallen und Symmetrie werden oft unterschätzt
Nach dem Genickstück schaue ich mir die Backenstücke an. Und ja, ich weiß, das klingt erst einmal unspektakulär. Zwei Lederriemen, die das Gebiss halten. Fertig.
Aber genau hier sehe ich oft Trensen, die „schon irgendwie passen“, aber eben nicht wirklich gut sitzen. Besonders häufig sind die Backenstücke zu lang. Dann wandern die Schnallen der Backenstückte sehr weit nach oben und können ungünstig im Bereich des Kiefergelenks liegen.
Das möchte ich bei meiner Trense vermeiden.
Die Backenstücke sollen so lang sein, dass ich das Gebiss richtig einstellen kann und die Schnallen an einer Stelle liegen, an der sie möglichst wenig stören. Wenn Gebisse zu tief oder zu hoch hängen, verändert sich außerdem die Wirkung im Maul.
Bei sehr sensiblen Pferden achte ich zusätzlich auf Symmetrie: Nutze ich einen Ganaschen- oder Kehlriemen, dann ist mir die Symmetrie hier ebenfalls wichtig. Das bedeutet: habe ich links eine Schnalle, möchte ich nach Möglichkeit auch rechts eine Schnalle haben. Nicht, weil jedes Pferd sonst sofort Probleme bekommt. Aber manche Pferde sind eben sehr sensibel und die stört das dann.
Eine Ein-Ohr-Trense, wie man sie im Westernbereich häufiger sieht, wäre bei einem sehr empfindlichen Pferd deshalb nicht unbedingt meine erste Wahl.
Nasenriemen, Reithalfter und Sperrriemen: weniger ist manchmal mehr
Beim Nasenriemen bin ich vorsichtig. Nicht, weil ich jeden Nasenriemen grundsätzlich falsch finde. Sondern weil er sehr schnell zu eng verschnallt wird und dann Dinge verdeckt, die ich eigentlich sehen möchte.
Gerade beim Reithalfter, egal ob englisch oder englisch kombiniert, frage ich mich: Was soll dieser Riemen leisten? Ein englisch kombiniertes Reithalfter hat zusätzlich einen Sperrriemen. Und genau dieser Sperrriemen gehört für mich nicht an die Trense.
Wenn mein Pferd beim Reiten auffällig das Maul öffnet, möchte ich wissen, warum. Passt das Gebiss nicht? Ist meine Hand zu unruhig oder zu hart? Gibt es Zahnprobleme? Ist die gesamte Kommunikation zwischen Reiter und Pferd gerade nicht fein genug?
Ich möchte das Pferdemaul nicht einfach zuschnüren, damit das Verhalten verschwindet.
Dass die Enge eines Nasenriemens messbaren Druck verändern kann, zeigen Untersuchungen zu unterschiedlicher Verschnallung des Nasenriemens. Für mich ist hier keine komplizierte Wissenschaft nötig. Die praktische Erkenntnis reicht: Ein Nasenriemen sollte nicht eng sein, nur weil er enger gemacht werden kann.
Wenn ich einen Nasenriemen verwende, dann sollte er locker sein.
Stirnriemen, Ganaschenriemen und gebisslose Varianten haben ihre eigene Aufgabe
Ein Stirnriemen kann schön aussehen. Und ja, ich mag schöne Lederarbeit natürlich sehr. Ein liebevoll gearbeiteter Stirnriemen kann eine Trense optisch wirklich abrunden.
Aber für mich ist er kein Muss.
Bei meinem eigenen Pferd habe ich bisher nicht das Problem gehabt, dass die Trense nach hinten Richtung Hals rutscht. Deshalb verzichte ich auf den Stirnriemen. Ein Riemen weniger bedeutet für mich auch eine Stelle weniger, an der es drücken, scheuern oder irgendwie unpassend sein kann.
Einen Ganaschenriemen sehe ich anders. Der verläuft im Bereich der Ganaschen, also unterhalb des Pferdekopfes, und kann helfen, die Trense stabiler zu halten. Bei einem Pferd mit sehr aktivem Kopf oder bei einem Pferd, das sich gerne am Bein scheuert und dabei die Trense Richtung Ohren abstreift, finde ich ihn durchaus sinnvoll.
Auch gebisslose Zäume sind nicht automatisch druckfrei. Messungen zu gebisslosen Zäumen zeigen, dass auch dort Druck auf Nasenriemen und Genick entstehen kann.
Das ist mir wichtig: Gebisslos kann wunderbar sein. Aber auch eine gebisslose Trense muss passen.
Der Einsatzzweck entscheidet mit: Dressur, Westernreiten oder Wanderritt
Eine Trense muss nicht nur zum Pferd passen, sondern auch zu deinem Alltag mit deinem Pferd. Das wird für mich oft zu wenig beachtet.
Wenn du hauptsächlich Dressurarbeit machst, brauchst du vielleicht ein anderes Zaumzeug als jemand, der viele Stunden draußen unterwegs ist. Beim Westernreiten können wieder andere Formen sinnvoll sein. Und beim Wanderreiten, meinem Herzensbereich, denke ich noch einmal ganz anders über eine Trense nach.
Auf einem Wanderritt möchte ich mein Pferd zwischendurch anbinden können. Ich möchte Pausen machen, vielleicht grasen lassen, das Gebiss unkompliziert ausschnallen und später genauso unkompliziert wieder einhängen. Genau deshalb liebe ich Wanderreittrensen so sehr.
Sie verbinden Halfter und Trense in einem System. Für unterwegs ist das einfach praktisch.
Natürlich heißt das nicht, dass jede Wanderreittrense automatisch gut sitzt. Auch hier müssen Genickstück, Backenstücke, Nasenriemen und alle weiteren Riemen zum Pferdekopf passen.
Eine gute Trense ist für mich also nie nur ein schöner Gegenstand aus Leder. Sie ist ein Werkzeug für deinen gemeinsamen Alltag. Und ein Werkzeug darf gerne schön sein, aber es muss vor allem sinnvoll funktionieren und passen.
Meine persönliche Haltung: Jeder Riemen braucht einen Grund
Ich habe mir das Lederhandwerk selbst beigebracht, weil ich irgendwann keine passende Trense für mein Pferd gefunden habe. Zu hart, zu steif, nicht meine Farben, nicht seine Form. Kennst du dieses Gefühl, wenn man sucht und sucht und am Ende doch nur denkt: „Na gut, dann nehme ich halt die, die am wenigsten schlecht passt“?
Aber genau das wollt ich nicht mehr.
Heute fertige ich Trensen, Kopfstücke und Wanderreitausrüstung, und mein Blick hat sich dadurch sehr verändert. Ich frage nicht mehr zuerst: Was gehört da alles dran? Ich frage: Was braucht dieses Pferd wirklich?
Dabei hilft auch ein genauer Blick auf die verborgenen Strukturen unter der Haut, denn die Passform der Trense hängt eben nicht nur davon ab, ob sie äußerlich hübsch sitzt. Druck entsteht dort, wo Leder, Schnallen oder Polster auf empfindliche Bereiche treffen.
Mein eigener Geschmack ist dabei eher schlicht geworden. Weiches Leder, gute Kanten, sinnvolle Schnallenpositionen, möglichst klare Funktion.
Nicht jeder Riemen macht eine Trense besser. Manchmal macht Weglassen sie besser:
Was ich damit meine:
Bei meinen eigenen Trensen habe ich eine ziemlich einfache Haltung: Jeder Riemen sollte einen Grund haben. Ich möchte nichts an der Trense haben, nur weil es dort eben schon immer hingehört oder weil eine Trense normalerweise so aussieht.
Mein Pferd hat zum Beispiel zwei Trensen, die ich für ganz unterschiedliche Zwecke nutze.
Die eine ist meine typische Wanderreittrense. Sie ist gleichzeitig Trense und Halfter. Das Gebiss befestige ich mit zwei Gebissriemchen am Halfter und kann es dadurch sehr schnell ein- und ausschnallen. Gerade beim Wanderreiten finde ich das unglaublich praktisch: Ich habe das Halfter immer dabei und kann die Trense unterwegs genau so nutzen, wie ich sie gerade brauche.
Meine zweite Trense nutze ich hauptsächlich für die Arbeit auf dem Reitplatz oder kürzere Ausritte.
Und obwohl die beiden Trensen völlig unterschiedlich aufgebaut sind, haben sie eines gemeinsam: Ich verwende nur die Riemen, die mein Pferd und ich tatsächlich brauchen.
Einen Stirnriemen habe ich zum Beispiel an keiner der beiden Trensen. Warum? Ganz einfach: Ich hatte bisher nie das Problem, dass meine Trense über das Genick nach hinten in Richtung Hals rutscht. Also brauche ich auch keinen Stirnriemen, der genau das verhindern soll.
Und wenn ich ihn nicht brauche, lasse ich ihn weg.
Das bedeutet gleichzeitig einen Riemen weniger, den ich putzen und pflegen muss. Und ich muss mir auch keine Gedanken darüber machen, ob er irgendwo drückt oder scheuert.
Bei meiner Trense für den Reitplatz gehe ich sogar noch einen Schritt weiter: Sie hat weder einen Sperrriemen noch einen Nasenriemen und auch den Ganaschenriemen spare ich mir. Im Grunde besteht diese Trense tatsächlich nur aus dem Genickriemen mit den Backenstücken für das Gebiss.
Mehr brauche ich für mein Pferd nicht.
Meine Wanderreittrense ist etwas anders aufgebaut, weil sie gleichzeitig als Halfter funktionieren soll. Aber auch hier gilt für mich dasselbe: So viel wie nötig und so wenig wie möglich.
Denn nur weil ein Riemen traditionell zu einer Trense gehört, heißt das für mich noch lange nicht, dass mein Pferd ihn auch braucht. Ich möchte bei jedem einzelnen Teil wissen, welche Aufgabe es erfüllt – und ob diese Aufgabe bei meinem Pferd überhaupt notwendig ist.
Wenn ich darauf keine gute Antwort habe, darf der Riemen bei mir auch einfach wegbleiben.
Fazit: Die Trense muss zu euch beiden passen
Für mich besteht die perfekte Trense nicht aus einer festen Liste von Teilen. Sie muss keinen Stirnriemen haben, sie muss nicht besonders auffällig sein und sie muss auch nicht automatisch anatomische geformt sein, nur weil das gerade gut klingt.
Ich möchte jedes Teil einzeln betrachten: Passt es? Erfüllt es eine Aufgabe? Gibt es meinem Pferd Komfort oder nimmt es ihm Bewegungsfreiheit?
Besonders wichtig sind für mich ein weiches, gut gepolstertes Genickstück, passende Backenstücke, sinnvoll platzierte Schnallen und ein ehrlicher Blick auf Nasenriemen, Stirnriemen und Ganaschenriemen. Und dann natürlich der Einsatzzweck: Eine Wanderreittrense darf andere Dinge können als ein Trensenzaum für die Dressurarbeit.
Wenn du dir unsicher bist, nimm dir deine Trense einmal bewusst in die Hand. Nicht schnell zwischen Putzen und Satteln. Sondern mit der Frage: Warum ist jedes Teil dort, wo es ist?
Denn am Ende muss sich nicht dein Pferd irgendwie an die Trense anpassen.
Die Trense muss zu deinem Pferd passen, sie muss zu dir passen und zu dem was du gemeinsam mit deinem Pferd erleben möchtest.
Wenn du deine Trense irgendwann selbst fertigen möchtest
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich Leder, Passform und eigene Ausrüstung reizen, dann ist meine kostenlose Gratis-Video-Reihe vielleicht ein schöner Anfang für dich. Darin zeige ich dir die drei wichtigsten Grundlagen für deinen Einstieg ins Lederhandwerk, auch wenn du bisher noch keine Erfahrung hast.
Du bekommst ein Gefühl dafür, was du wirklich brauchst, welches Wissen am Anfang wichtig ist und warum du nicht gleich einen Berg Werkzeug kaufen musst.


