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Leder aus artgerechter Tierhaltung – Gibt es das überhaupt?

Wenn wir über Leder sprechen, sprechen wir – meiner Meinung nach – auch immer automatisch über Tiere. Und genau deshalb beschäftigt mich dieses Thema schon lange: Gibt es eigentlich Leder aus einer artgerechter Tierhaltung? Oder ist das am Ende nur ein schöner Begriff, der sich gut anhört?

Gerade wenn du Leder liebst, vielleicht selbst kreativ bist oder Wert auf langlebige Produkte legst, kommt früher oder später diese Frage auf. Denn Leder ist eben nicht einfach nur ein Material. Es stammt von einem Tier. Und ich finde, genau deshalb darf man sich auch Gedanken darüber machen, wie dieses Tier gelebt hat.

In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, wie Rinder im DACH-Raum tatsächlich gehalten werden, was Begriffe wie Laufstall oder Anbindehaltung bedeuten, welche Unterschiede es zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt – und woran du Leder aus artgerechter Tierhaltung erkennen kannst.

Was bedeutet artgerechte Tierhaltung bei Rindern überhaupt?

Ganz ehrlich: Schon beim Begriff „artgerecht“ wird es schwierig. Denn streng genommen lebt ein Rind nur dann wirklich artgerecht, wenn es genau so leben darf, wie es seiner Natur entspricht.

Ein Rind möchte sich bewegen. Es möchte laufen, soziale Kontakte haben, liegen, wiederkäuen, frische Luft erleben und – wenn möglich – auf eine Wiese gehen. Rinder sind Herdentiere. Sie sind neugierig und manchmal auch verspielt. Wer schon einmal Kälber über eine Wiese hat springen sehen, weiß vermutlich genau, was ich meine.

Für mich persönlich bedeutet artgerechte Tierhaltung, dass ein Tier zusammen mit Artgenossen möglichst viel Platz hat, sich frei bewegen darf, auch mal rennen oder toben kann und schlichtweg ein gutes Leben hat – bis zu seinem letzten Tag.

Natürlich ist Landwirtschaft komplexer als „Wiese oder Stall“. Nicht jeder Stall ist automatisch schlecht und nicht jede Weidehaltung automatisch perfekt. Entscheidend ist oft, wie viel Bewegungsfreiheit ein Tier tatsächlich hat und wie respektvoll mit ihm umgegangen wird.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gelten ausreichend Platz, Bewegung und Weidezugang als wichtige Faktoren für das Wohlbefinden von Milchkühen. Weniger als zwei Monate Weidezugang pro Jahr gelten dabei bereits als möglicher Risikofaktor für das Tierwohl.

Wie werden Rinder im DACH-Raum tatsächlich gehalten?

Wenn man sich mit Leder aus artgerechter Tierhaltung beschäftigt, kommt irgendwann automatisch die Frage: Wie leben die Rinder eigentlich wirklich?

Und die Antwort ist – wie so oft – nicht schwarz oder weiß.

Deutschland: Der Laufstall ist heute Standard

In Deutschland standen laut Landwirtschaftszählung 2020 bereits 83 % der Rinder überwiegend im Laufstall, rund 10 % in Anbindehaltung und 7 % in anderen Haltungssystemen. Besonders spannend finde ich dabei: Die Zahl der Anbindehaltungsplätze ist seit 2010 um rund 62 % zurückgegangen.

Ein Laufstall bedeutet zunächst einmal: Das Tier kann sich frei bewegen. Es gibt unterschiedliche Bereiche zum Liegen, Fressen und Laufen. Die Tiere stehen also nicht dauerhaft fest an einem Platz.

Das klingt erst einmal gut – und ist aus meiner Sicht auch deutlich besser als dauerhafte Fixierung. Aber: Laufstall ist nicht gleich Laufstall. Manche Tiere haben zusätzlich Weidegang oder einen Laufhof, andere verbringen ihr Leben fast ausschließlich im Stall.

Gerade beim Weidegang gibt es große Unterschiede. 2020 hatten nur etwa 31 % der Milchkühe in Deutschland Zugang zur Weide. Bei größeren Betrieben sinkt dieser Anteil sogar deutlich.

Was bedeutet eigentlich Anbindehaltung?

Die Anbindehaltung ist vermutlich die Haltungsform, die viele Menschen kritisch sehen – mich eingeschlossen.

Dabei werden Kühe über längere Zeit an einem festen Platz im Stall angebunden. Sie können aufstehen und sich hinlegen, aber eben nicht frei herumlaufen.

In Deutschland ist diese Form der Haltung derzeit nicht grundsätzlich verboten. Besonders in kleineren Betrieben – vor allem in Bergregionen – kommt sie noch vor. Problematisch finde ich persönlich vor allem die dauerhafte Anbindung ohne ausreichende Bewegungsmöglichkeiten.

Ein bundesweiter Reformentwurf zur Anbindehaltung wurde 2024 zwar diskutiert, ist nach dem Regierungswechsel jedoch zunächst wieder verfallen. Gleichzeitig gibt es politischen Druck, diese Haltungsform künftig stärker einzuschränken. Niedersachsen fordert inzwischen sogar ein bundesweites Ende der Anbindehaltung.

Anbindehaltung vs Laufstall

Österreich und Schweiz: Wo stehen unsere Nachbarn?

Österreich: Mehr Regeln für Bewegung

In Österreich lag der Anteil der Laufstallplätze für Rinder 2020 bei rund 65 %. Gleichzeitig wurden aber noch etwa 25 % der Rinder in Anbindeställen gehalten – regional teils deutlich mehr. Besonders hoch ist der Anteil in Tirol oder Salzburg.

Ein wichtiger Unterschied: Die dauerhafte Anbindehaltung ist in Österreich gesetzlich verboten. Tiere müssen grundsätzlich mindestens 90 Tage im Jahr Bewegungsmöglichkeiten oder Weidegang erhalten, sofern keine technischen oder rechtlichen Gründe dagegensprechen.

Das finde ich persönlich einen spannenden Ansatz. Nicht perfekt – aber zumindest eine klare gesetzliche Richtung.

Schweiz: Starker Fokus auf Tierwohl

Auch die Schweiz setzt stärker auf Bewegungsprogramme.

Hier gibt es Förderprogramme wie BTS („besonders tierfreundliche Stallhaltung“) und RAUS, bei denen regelmäßiger Auslauf verpflichtend ist.

Trotzdem werden laut aktuellen Zahlen weiterhin knapp 30 % der Rinder im Anbindestall gehalten. Allerdings schreibt die Schweiz dabei verbindliche Auslauftage vor: mindestens 90 Tage pro Jahr, davon ein Großteil im Sommer.

Gibt es überhaupt Leder aus artgerechter Tierhaltung?

Die kurze Antwort lautet: Ja – aber es ist nicht immer leicht zu finden.

Und hier möchte ich ganz ehrlich mit dir sein.

Ich arbeite derzeit ausschließlich mit Rindsleder, und mir ist es sehr wichtig, dass die Tiere möglichst artgerecht gehalten wurden. Viel Auslauf, Bewegung, ein gutes Leben – das ist für mich keine Nebensache.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich sogar bevorzugen, dass ein Tier nicht quer durchs Land zum Schlachthof transportiert werden muss, sondern möglichst hofnah geschlachtet wird.

Denn gerade Transport und Schlachtung bedeuten für Tiere häufig Stress. Studien nennen hier Faktoren wie Verladen, Lärm, ungewohnte Umgebungen oder lange Transporte als Belastung.

In Deutschland gibt es inzwischen erste Projekte für mobile oder hofnahe Schlachtung, die genau hier ansetzen.

Ich habe für mich einige wenige Lieferanten gefunden, bei denen ich bewusst Leder einkaufe – beispielsweise:

Natürlich kann man nie jede einzelne Station komplett kontrollieren. Das wäre unehrlich zu behaupten. Aber ich finde: Man darf versuchen, bewusstere Entscheidungen zu treffen.

Wie kann man Leder aus artgerechter Tierhaltung erkennen?

Ganz ehrlich? Es ist manchmal gar nicht so einfach.

Denn auf Leder gibt es keine einheitliche „Tierwohl-Ampel“.

Ein paar Dinge helfen aber:

1. Nach Herkunft fragen: Woher stammt das Leder? Aus welchem Land? Gibt es Informationen zur Haltung?

2. Auf Bio- oder regionale Herkunft achten: 2023 wurden in Deutschland knapp 9 % aller Rinder ökologisch gehalten. Bio bedeutet zwar nicht automatisch perfekt – aber oft strengere Anforderungen an Platz, Fütterung und Auslauf.

3. Transparente Hersteller bevorzugen: Wenn jemand offen kommuniziert, woher das Leder stammt und wie Tiere gehalten wurden, ist das meist ein gutes Zeichen.

4. Billigpreise hinterfragen: Und das ist vielleicht der unbequeme Teil. Solange möglichst billiges Fleisch und billige Produkte gekauft werden, wird sich an vielen Stellen vermutlich wenig ändern. Der Ernährungsreport 2024 zeigt genau diesen Zwiespalt: 92 % der Menschen finden bessere Tierhaltung wichtig, gleichzeitig achten viele weiterhin stark auf den Preis.

Erkennen von Leder

Ich esse selbst übrigens nur sehr selten Fleisch. Und wenn, dann achte ich bewusst darauf, woher es kommt und wie das Tier gehalten wurde. Nicht aus Perfektion – sondern weil es sich für mich schlichtweg richtig anfühlt.

Häufige Fragen zu Leder aus artgerechter Tierhaltung

Gibt es auch Leder aus artgerechter Tierhaltung?

Ja, das gibt es. Allerdings braucht es oft etwas Recherche. Besonders kleinere Gerbereien oder spezialisierte Anbieter arbeiten gezielt mit regionalen oder biologischen Betrieben zusammen. Wichtig ist, dass du nachfragst und auf Transparenz achtest. Je offener ein Hersteller über Herkunft und Haltung spricht, desto besser kannst du einschätzen, ob das Leder zu deinen Werten passt.

Wie kann man Leder aus artgerechter Tierhaltung erkennen?

Es gibt bisher leider kein einheitliches Siegel speziell für Leder. Deshalb lohnt sich ein Blick auf Herkunft, Bio-Zertifizierungen oder transparente Lieferketten. Frag ruhig nach: Woher stammt das Leder? Wie wurden die Tiere gehalten? Wurde regional produziert? Gute Anbieter beantworten solche Fragen meist gerne.

Mein persönliches Fazit zu Leder aus artgerechter Tierhaltung

Ich glaube nicht an Perfektion. Aber ich glaube daran, bewusst hinzuschauen.

Für mich bedeutet Leder aus artgerechter Tierhaltung, Verantwortung zu übernehmen – soweit es eben möglich ist. Sich Gedanken zu machen. Fragen zu stellen. Und vielleicht manchmal auch bewusst etwas anderes zu kaufen.

Denn Leder kann ein unglaublich langlebiges Material sein. Etwas, das dich viele Jahre begleitet. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass wir nicht nur fragen: Wie sieht es aus? Sondern auch: Woher kommt es eigentlich?

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Liebe Grüße
Chrisi

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