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Kunstleder: Was steckt wirklich dahinter – und ist es eine echte Alternative?

Wenn du dich schon mal mit Leder beschäftigt hast, bist du wahrscheinlich früher oder später über den Begriff Kunstleder gestolpert. Vielleicht sogar mit dem Gedanken: „Das ist doch die nachhaltigere, bessere Lösung, oder?“

Ganz so einfach ist es leider nicht.

In diesem Artikel nehme ich dich mit durch das Thema:
Was Kunstleder eigentlich ist, wie es hergestellt wird, welche Vor- und Nachteile es hat – und warum sich viele Dinge in der Praxis ganz anders sind, als man zunächst denkt.

Am Ende sollst du für dich klarer sehen: Was passt wirklich zu dir, deinem Anspruch und deinem Projekt.

Was ist Kunstleder eigentlich – und wie wird es hergestellt?

Wenn man Kunstleder ganz nüchtern beschreibt, dann ist es kein Leder im eigentlichen Sinne.
Es besteht nicht aus einer Tierhaut, sondern aus einem textilen Träger (also Stoff), der mit einer Kunststoffschicht überzogen wird.

Diese Beschichtung kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen:

  • PVC (Polyvinylchlorid)
  • PU (Polyurethan)

Das Ergebnis ist ein mehrschichtiger Aufbau:
Ein Stoff unten, darauf eine poröse Zwischenschicht und oben eine künstliche Oberfläche, die Leder imitieren soll.

Genau das macht Kunstleder zu einem klassischen Lederimitat.

Interessant ist dabei: Noch vor einigen Jahren war PVC sehr verbreitet. Heute wird häufiger PU verwendet – 2021 machte PU bereits über 55 % des globalen Umsatzes mit synthetischem Leder aus.

Und trotzdem bleibt der Kern immer gleich:
Kunstleder ist ein Kunststoffprodukt.

So entsteht Kunstleder

Damit du ein Gefühl dafür bekommst, wie weit das Ganze vom Naturmaterial entfernt ist, hier der Prozess ganz vereinfacht:

  1. Herstellung des Trägermaterials
    Meist ein gewebter oder gestrickter Stoff (Polyester oder Baumwolle)
  2. Aufbringen der Kunststoffschicht
    PVC oder PU wird flüssig aufgetragen
  3. Strukturierung der Oberfläche
    Durch Walzen wird eine Lederoptik geprägt
  4. Nachbehandlung
    Färbung, Versiegelung, ggf. zusätzliche Beschichtungen
Kunstleder Aufbau

Das klingt erstmal technisch – und genau das ist es auch.

Vorteile und Nachteile von Kunstleder

Kunstleder wird oft als „bessere Alternative“ zu echtem Leder dargestellt.
Aber wenn man genauer hinschaut, merkt man schnell: Es gibt nicht nur schwarz oder weiß.

Vorteile von Kunstleder

  • Pflegeleicht – oft einfach abwischbar
  • Günstiger als Echtleder
  • Gleichmäßige Oberfläche ohne natürliche Unregelmäßigkeiten
  • Kein tierisches Produkt

Gerade der letzte Punkt ist für viele ein wichtiger Grund.
Und das verstehe ich absolut.

Nachteile von Kunstleder

Jetzt kommt der Teil, der oft nicht so klar ausgesprochen wird:

  • Nicht atmungsaktiv
    Kunstleder hat eine deutlich geringere Wasserdampfdurchlässigkeit als echtes Leder – teilweise 30–50 % weniger Wasserdampf-Transport.
  • Wärme- und Feuchtigkeitsstau
    Wenn Feuchtigkeit nicht weg kann, entsteht genau dieses klebrige Gefühl auf der Haut.
  • Geringere Langlebigkeit
    Die Oberfläche kann mit der Zeit reißen oder sich ablösen.
  • Kunststoffanteil
    PVC-basierte Materialien bestehen zum Beispiel zu großen Teilen aus Kunststoff und Weichmachern, etwa 53 % PVC und 40 % Weichmacher laut EU-Analyse.
  • Mikroplastik
    Synthetische Materialien tragen zur Umweltbelastung bei – allein Textilien verursachen jährlich 1,6 bis 61,1 Kilotonnen Mikroplastik in der EU.

Und jetzt kommt der Punkt, den man nicht messen kann – aber jeder spürt, der es einmal erlebt hat:
Das Gefühl auf der Haut.

Vorherrschende Meinungen – und meine persönliche Erfahrung

Viele sagen: Kunstleder ist die nachhaltigere Wahl.
Und ich verstehe wirklich, woher dieser Gedanke kommt.

Denn ja – Leder ist ein tierisches Produkt.
Es entsteht aus der Haut eines Tieres.

Aber was oft übersehen wird:
Diese Häute fallen in der Regel sowieso an – als Nebenprodukt der Fleischindustrie.

Für mich persönlich fühlt sich das so an:
Ich nutze etwas, das ohnehin da ist – und mache daraus etwas Langlebiges.

Und dann ist da noch meine eigene Erfahrung…

Ich hatte einmal eine Reithose mit Silikonbesatz an. Im Sommer.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl.

Nach ein paar Stunden:
rote Haut, schwitzig, unangenehm.

Und dann – als Vergleich – eine Reithose mit Echtlederbesatz.
Nächster Tag, gleiche Temperaturen.

Und plötzlich… nichts davon.

Kein Kleben, kein Schwitzen.
Das Leder liegt einfach da. Wie eine zweite Haut.

Genau das ist für mich der größte Unterschied.

Und wenn ich weiterdenke:
Ich kann eine gute Ledertasche Jahre, manchmal Jahrzehnte nutzen.
Und selbst danach noch weiterverwenden.

Das ist für mich echte Nachhaltigkeit.

Häufige Fragen zu Kunstleder

Was für ein Material ist Kunstleder?

Kunstleder ist ein Verbundmaterial aus einem textilen Träger und einer Kunststoffbeschichtung, meist aus PVC oder Polyurethan. Es wird so verarbeitet, dass es optisch und teilweise auch haptisch an echtes Leder erinnert, besteht aber vollständig aus industriell hergestellten Komponenten.

Was ist besser – Kunstleder oder PU-Leder?

PU-Leder ist eigentlich eine Form von Kunstleder.
Der Unterschied liegt nur im verwendeten Kunststoff.

PU gilt als etwas flexibler und moderner als PVC, ist aber immer noch ein Kunststoffmaterial.
Das Grundproblem – fehlende Atmungsaktivität und geringere Langlebigkeit – bleibt bestehen.

Ist Kunstleder echtes Leder?

Nein.
Auch wenn es oft so aussieht: Kunstleder hat nichts mit echtem Leder zu tun.
Echtes Leder entsteht aus einer Tierhaut, während Kunstleder ein industriell hergestelltes Material ist.

Fazit: Was bedeutet das für dich?

Kunstleder ist kein „schlechtes“ Material.
Aber es ist auch nicht die perfekte Alternative, als die es oft dargestellt wird.

Es ist ein Kompromiss.

Wenn du Wert legst auf:

  • natürliche Haptik
  • Atmungsaktivität
  • Langlebigkeit
  • und echte Nutzung über viele Jahre

… dann wirst du früher oder später merken, dass echtes Leder sich einfach anders verhält.

Und wenn du gerade am Anfang stehst, gerne selbst etwas Schönes aus Leder kreieren möchtest und denkst:
„Ich kann das eh nicht…“

Dann möchte ich dir genau das Gegenteil sagen.

Du brauchst nicht viel.
Nur die richtigen Grundlagen.

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Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Ausprobieren – und beim Finden deines eigenen Weges im Lederhandwerk.

Alles Liebe
Chrisi

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