Pferdezähne beeinflussen direkt, ob das Gebiss oder die Trense deinem Pferd wirklich passen. Denn Schneidezähne, Backenzähne, Lade, Zunge und Maulwinkel bestimmen, wie viel Platz im Maul ist, wo Druck entstehen kann und warum ein Pferd beim Auftrensen oder beim Annehmen der Zügel nervös kaut, das Maul auf sperrt oder den Kopf wegzieht.
Ich bin keine Gebiss-Expertin — aber durch das Bauen von Trensen und Kappzäumen habe ich gelernt, wie wichtig der Blick unter das Kopfstück ist.
Für mich gehört dieses Wissen über die Anatomie des Pferdekopfs ganz klar dazu, gerade wenn wir Trensen, Kappzäume oder andere Kopfstücke bewusst auswählen oder selbst bauen möchten.
Warum das Wissen über die Pferdezähne für deine Ausrüstung wichtig ist
Wenn ich heute eine Trense oder einen Kappzaum baue, denke ich nicht mehr nur an Leder, Schnallen und schöne Farben. Ich denke an den Pferdekopf darunter.
Ehrlich gesagt war mir das früher nicht so bewusst. Erst als ich genauer hingeschaut habe, wo welches Teil eines Kopfstückes liegt, habe ich verstanden, wie viel unter einem scheinbar einfachen Lederriemen steckt.
Bei den Pferdezähnen ist das besonders spannend, weil sie im Alltag ständig beteiligt sind:
- beim Gras abrupfen mit den Schneidezähnen
- beim Zermahlen von Heu und Futter mit den Backenzähnen
- beim Tragen eines Gebisses auf der Lade
- beim Abkauen, Speicheln und Loslassen im Maul
Die Lade ist der zahnfreie Bereich zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen. Dort liegt bei einer Trense das Gebiss. Klingt erst einmal praktisch, oder?

Aber genau hier wird es fein. Denn direkt daneben liegen Zunge, Zahnfleisch, empfindliche Maulwinkel, Unterkiefer und Oberkiefer. Untersuchungen zu den Maulmaßen zeigen, dass Pferdemäuler sehr unterschiedlich gebaut sind. Ein Gebiss, das dem einen Pferd passt, kann beim nächsten schon zu breit, zu dick oder ungünstig liegen.
Und was bedeutet das für dich? Schau nicht nur auf die Trense außen. Das Maul deines Pferdes entscheidet mit.
Was im Pferdemaul wirklich passiert
Im Pferdemaul arbeiten Zähne, Zunge und Kiefer auf engem Raum zusammen. Die Schneidezähne greifen vorne das Gras, während die großen Backenzähne weiter hinten die Nahrung seitlich zermahlen. Ein einzelner Backenzahn sieht dabei nicht wie ein glatter Menschenzahn aus, sondern eher wie ein kleines Mahlwerk mit harten Schmelzfalten.
Pferdezähne sind außerdem hochkronig. Das bedeutet: Ein großer Teil des Zahns steckt zunächst noch im Kiefer und wird über die Jahre nachgeschoben, während die Kaufläche sich abnutzt.
Gerade die Schneidezähnen verändern sich mit dem Alter deutlich. Dreidimensionale Untersuchungen der Schneidezähne zeigen, dass Länge, Schmelz und Form nicht starr bleiben. Deshalb ist eine regelmäßige Zahnkontrolle keine Kleinigkeit, sondern echte Vorsorge.
Für die Trense wird es an der Lade interessant. Röntgenbilder zur Gebisslage machen sichtbar, dass das Gebiss nicht einfach „irgendwo“ im Maul liegt, sondern je nach Maulform, Zunge und Zügelkontakt seine Position verändert. Eine weitere radiologische Arbeit zur Maulhöhle zeigt ebenfalls, dass Gebiss, Knochen und Weichteile sehr nahe beieinanderliegen.
Dazu kommen Wolfszähne. Das sind kleine, oft unscheinbare Zähne vor den Backenzähnen. Sie können stören, müssen es aber nicht. Wenn dein Pferd beim Auftrensen den Kopf wegzieht, einseitig kaut oder unruhig mit dem Gebiss wird, lohnt sich der Blick durch eine Pferdezahnärztin oder Tierärztin.
Auch die Maulwinkel verdienen Aufmerksamkeit. Ein Protokoll zur Beurteilung von Mundwinkeln zeigt, dass Rötungen, Druckstellen oder kleine Verletzungen systematisch angeschaut werden können. Ähnliche Beobachtungen an der Maulschleimhaut helfen, Reibung oder Druck durch das Gebiss nicht als „normal“ abzutun.
Praktisch heißt das für dich:
- Riecht das Maul unangenehm?
- Wickelt dein Pferd Heu zu kleinen Knäueln?
- Kaut es einseitig oder lässt Futter fallen?
- Zieht es beim Auftrensen den Kopf weg?
- Ist das Zahnfleisch gerötet oder verletzt?
Dann bitte nicht einfach die Trense enger schnallen. Erst prüfen lassen, dann anpassen.
Meine Erfahrung mit Gebiss, Trense und dem Blick ins Maul
Ich muss ehrlich sagen: Bevor ich angefangen habe, Trensen und Kappzäume selbst zu bauen, habe ich nicht wirklich darauf geachtet, was sich an einem Pferdekopf alles befindet. Natürlich wusste ich, dass da Knochen, Muskeln, Nerven und Zähne sind. Aber Wissen und wirkliches Hinschauen sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Erst als ich Kopfstücke maßgefertigt habe, wurde mir klar, warum manche Pferde kopfscheu werden, beim Auftrensen ausweichen oder schlecht abkauen. Meistens liegt es nicht am „Ungehorsam“. Oft drückt einfach etwas.
Beim Thema Gebiss bin ich ganz bewusst vorsichtig. Ich bin keine Gebissexpertin und habe für mein eigenes Pferd vor kurzem selbst eine Gebissberatung machen lassen. Genau das würde ich dir auch empfehlen, wenn du unsicher bist.
Denn was bringt eine perfekt passende, maßgefertigte Trense, wenn das Gebiss nicht zum Pferdemaul passt? Richtig. Gar nichts.
Untersuchungen zu Gebissgrößen zeigen, dass Breite und Dicke wirklich zum Pferd passen müssen. Auch die Bewegung des Gebisses im Maul hängt nicht nur vom Metallstück selbst ab, sondern auch von Zunge, Kieferform und Einwirkung.
Bei Islandpferden wurden in einer Untersuchung gebissbedingte Verletzungen gefunden, und das ist für mich so ein Punkt, bei dem ich lieber einmal mehr hinschaue. Nicht aus Angst. Sondern aus Respekt vor dem Pferd.
Auch beim Lederhandwerk gilt für mich: Schön reicht nicht. Es muss passen, halten und dem Pferd gerecht werden. Darum schaue ich bei Kopfstücken immer auf Genick, Backenstücke, Nasenriemen, Stirnriemen und darauf, wie alles zusammen mit dem Gebiss wirkt.
Häufige Fragen zu Pferdezähnen
Wie viele Zähne hat ein Pferd?
Ein erwachsenes Pferd hat meist zwischen 36 und 44 Zähnen. Die genaue Anzahl hängt davon ab, ob Wolfszähne vorhanden sind und ob Hengstzähne ausgebildet wurden. Ein Hengst oder Wallach hat häufiger Hengstzähne, also „Eckzähne“, während eine Stute sie seltener oder nur klein ausgebildet haben kann.
Typisch sind vorne die Schneidezähne, hinten die Backenzähnen und dazwischen die Lade. In jedem Kiefer sitzen auf jeder Seite mehrere Backenzähne, die das Futter zermahlen. Wenn zwischen den Backenzähnen kleine Lücken entstehen, sogenannte Diastemata, kann sich Futter festsetzen; eine Untersuchung zu Zahnzwischenräumen zeigt den Zusammenhang mit Entzündungen am Zahnhalteapparat.
Das Zahnfleisch ist dabei nicht nur „Randgewebe“, sondern schützt und stabilisiert.
Für dich heißt das: Zahnkontrollen gehören zur Grundpflege, genau wie Hufe, Sattel und Trense.
Was ist das Besondere an Pferdezähnen?
Das Besondere an Pferdezähnen ist, dass sie für viele Jahre nachgeschoben und gleichzeitig abgerieben werden. Das passt wunderbar zu einem Tier, das viele Stunden am Tag faserreiches Futter kaut. Aber es bedeutet auch: Wenn die Abnutzung ungleichmäßig ist, entstehen scharfe Kanten, Haken oder Druckstellen.
Ein Pferd sagt dann selten klar: „Mir tut ein Zahn weh.“ Es zeigt eher kleine Zeichen. Studien zu Maulschmerz beschreiben zum Beispiel Abwehr, verändertes Kauen, Unruhe im Maul oder Leistungsabfall als mögliche Hinweise.
Auch der Gesichtsausdruck und das Verhalten können helfen. Arbeiten zu Schmerzgesichtern zeigen, dass Pferde Schmerz oft fein über Augen, Maulpartie und Haltung ausdrücken. Bei Headshaking, also wiederholtem Kopfschlagen, können verschiedene Ursachen dahinterstecken; Untersuchungen zum Kopfschütteln und zum Trigeminalnerv zeigen, wie komplex solche Symptome sein können.
Darum ist mein Rat schlicht: Beobachte dein Pferd, aber nimm Veränderungen ernst.
Was du konkret tun kannst, damit Maul und Ausrüstung zusammenpassen
Für mich gehört ein gutes Kopfstück nie allein betrachtet. Es ist immer ein Zusammenspiel aus Pferdekopf, Zähnen, Gebiss, Leder (Weichheit des Leders, mögliche scharfe Kanten oder drückende Schnallen) und deiner Hand. Genau deshalb finde ich anatomisches Grundwissen so wertvoll, auch wenn du keine Tierärztin bist.
Wenn du dein Pferd unterstützen möchtest, achte auf diese Punkte:
- Lass die Zähne regelmäßig fachkundig kontrollieren.
- Prüfe nach dem Reiten die Maulwinkel.
- Hole dir bei Unsicherheit eine Gebissberatung.
- Achte darauf, dass Backenstücke, Nasenriemen und Stirnriemen nicht ziehen oder drücken.
- Verändere nicht alles gleichzeitig, sonst erkennst du die Ursache kaum.
Ratgeber zum Trensensitz, zur Kopfanatomie und zur Anpassung der Trense betonen ebenfalls, wie eng Passform und Wohlbefinden zusammenhängen. Auch Hinweise zu anatomischen Trensen, Zaumzeugtypen, Pferdetrensen, Ausrüstung und Leistung und zur Trensenpassform zeigen: Es geht nicht um hübsch oder teuer, sondern um passend.
Mein Fazit: Eine schöne Trense beginnt nicht beim Leder und der Optik, sondern beim Pferd.
Wenn du Lust hast, selbst ins Lederhandwerk hineinzuschnuppern, habe ich einen kostenlosen Kurs aufgenommen. Dort bekommst du einen kleinen, ehrlichen Einblick in die Lederwelt und kannst schauen, ob dieses Handwerk zu dir, deinen Händen und deinem Pferd passt.


